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Erst Frost und Frust, dann Freudentränen

Expeditionsbericht Kwandge Lho

Die Expedition war das härteste Abenteuer meines Lebens

Nach dem gescheiterten Versuch am Kwandge Lho war die Stimmung nicht gerade rosig. Im Basecamp herrschten frostige Temperaturen und eiskalter Wind. Audrey Gariepy und Jen Olson plagten Erfrierungen an den Zehen und entschieden sich für die Abreise. Ines Papert fühlte sich erschöpft und vermisste ihren Sohn. Was tun? Zeit für eine kollegiale Motivationsspritze. Der italienische Spitzenbergsteiger Simone Moro befindet sich in der Region, um die erste Winterbesteigung des Makalu zu versuchen. Er besucht Ines im Basecamp und findet überzeugende Worte: "If you leave now, you won't be happy because you won't have given it your all…stay and try again…!".

Gesagt getan. Gemeinsam mit Cory Richards, der eigentlich "nur" als Fotograf der Damen-Expedition vorgesehen war, machte sich Ines an die 1400 Höhenmeter vom Basislager bis zum Wandfuß des Kwangde Shar (6.093m) auf. Diesmal startete das 2-er Team mit Ausrüstung und Nahrung (eine Nudelsuppe pro Tag und eine kleine Portion Haferflocken) für fünf Tage im Rucksack und der Ambition, eine neue Route zu durchsteigen.
Es stellte sich eine leichte Nervosität ein. Eine neue Route versuchen, trotz der schwierigen Bedingungen?

Auf dünnem Eis

Am 9. Januar  steigen Ines und Cory in die Wand ein. Das Eis ist dünn und schwierig abzusichern und der böige, eiskalte Wind macht den beiden zu schaffen. Die Nächte bringen kaum Erholung, die Steilheit der Wand verhindert, das mitgeführte Zelt aufzustellen. Die Absicherung verlangt maximale Kreativität. In freier Kletterei steigt Ines meist voraus, unter Verwendung von Normalhaken, Klemmgeräten und Keilen im steilen Granit. Das Eis ist zu dünn, um mitgeführte Eisschrauben zu verwenden. Technisch anspruchsvolle Mixed- Passagen fordern die Bayerisch Gmainerin immer wieder.

Dennoch: "Die Kletterei macht mehr und mehr Spaß", schreibt Ines im Expeditionstagebuch und am dritten Tag ist der Gipfel bereits nah. Doch die beiden beschließen, noch eine weitere Nacht zu warten, denn ein Abseilen in der Dunkelheit möchte niemand riskieren: "Unsere Entscheidung, auf 5900m umzukehren und es morgen nach dem Sonnenaufgang wieder zu versuchen, ist schnell getroffen." Die weitere Nacht in großer Höhe kostet allerdings eher Kräfte als dass sie die dringend benötigte Regeneration brächte. "The morning can't come soon enough", beschreibt Cory Richards das schlaflose Warten auf das Tageslicht.

"Die Tränen der Freude gefrieren zu Eis in meinem Gesicht"

Als die ersten Sonnenstrahlen die Szenerie erhellen, beginnen Ines und Cory die am Vortag bereits gekletterten Passagen an fixierten Seilen hinaufzusteigen. Danach warten noch einige schwierige Seillängen und nach sechs Stunden anspruchsvoller Kletterei ist es endlich geschafft: Gegen 14:30 Uhr stehen die beiden am höchsten Punkt des Kwangde Shar (6093m) und sind trotz der großen Kälte überglücklich.

Ines beschreibt diesen Moment so: "Die Tränen der Freude gefrieren zu Eis in meinem Gesicht. Cory kommt nach, und wir fallen uns wortlos in die Arme."  Richards ist ausgelaugt und sehnt sich eher nach der Befriedigung elementarer Bedürfnisse, als dass er vom Glück des "Gipfelsieges" übermannt wäre: "Nothing about this moment seems distinctly special, nor does it feel as though anything of any significance has occurred. All I feel is exhaustion... I want to eat a cheesburger...I want to drink a beer.”

Auch der schwierige Abstieg gelingt nach einer weiteren unbequemen und kalten Nacht in der Wand.

Seit Ende Januar ist Ines Papert wieder zuhause in Bayerisch-Gmain in der Nähe von Berchtesgaden. Und sie schmiedet schon wieder neue Pläne. Im Sommer will Ines Papert nach Canada zum Lotus Flower Tower im Cirque of the Unclimbables. Die abgelegene und bizarre, 800 Meter hohe Granitnadel befindet sich in den Nordwest-Territorien und wartet noch auf neue Linien.

Photos: Cory Richards

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