Ach geh doch fort: Über Wanderschuhe und was wem wofür passt
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Ein grauer Regentag. Die Herbstblätter hängen rostbraun an den Ästen. Außer Winter, Frühjahr und Sommer ist der Herbst die perfekte Zeit, um wandern zu gehen. Egal, wie das Wetter ist, wenn man's macht, ist es immer schön. Garantiert. Was man dazu braucht? Spaß, Neugier, ein bisschen Ausdauer und ein Paar gute Schuhe: Warme, trockene Füße sind angenehmer als kalte, klamme und wundgescheuerte. Doch was kaufen? Was taugt wofür? Und auf was sollte man beim Schuh-Shoppen achten? Wir haben hier ein paar Empfehlungen zusammengestellt und geben Tipps, wie Du Deine Wander- und Bergschuhe optimal einsetzen und pflegen kannst. 

Moderne Wander- und Bergschuhe sind vielseitig einsetzbar. Und viele sogenannte Multifunktions- und Zustiegsschuhe sind auch zum Wandern geeignet. Doch bedeutet das, alles ist für alles gut? Nö. Die Schuhhersteller machen sich viele und gute Gedanken darüber, wie sie ein bestimmtes Schuhmodell für einen bestimmten Einsatzzweck entwickeln. Denn das, was wir (und sicherlich auch Du) unter 'Wandern' verstehen, ist so vielfältig wie die Natur, in der wir uns bewegen.

 

Gelb, Blau, Rot, Schwarz – oder weiß: Auf den Einsatz kommt es an

Wer eine dreistündige Wanderung auf dem Deich unternimmt, stellt andere Ansprüche an seine Ausrüstung respektive Schuhe als jemand, der 14 Tage lang den Jakobsweg bereist oder auf den Watzmann steigt. Winterwandern im weißen Schwarzwald ist anders als der Rennsteig im Sommer.

Der Weg und die Jahreszeit geben die Rahmenbedingungen für die Wandersmänner und -frauen vor. Die Klassifizierung von Wanderwegen hilft bei der Planung und die Auswahl des richtigen Schuhwerks. Von „gelben“ Talwegen über leichte „blaue“ und mittelschwere „rote“ Bergwege zu ernsthaften „schwarzen“ Steigen reicht die kleine Farbenlehre des Deutschen Alpenvereins. Die Wanderskala des Schweizer Alpen-Clubs umfasst die Schwierigkeitsklassen T1 bis T6.

Immer gilt allerdings, diese Informationen richtig einordnen zu können. Denn es gibt zwei Arten von Fußgängern: Die einen können sich selbst einschätzen, die anderen nicht. Im Gebirge kann dies fatal sein. 

 

Tipp 1: Beratung im Fachgeschäft (gilt besonders für Fußgänger des zweiten Schlags). Ein/e Wanderschuhfachverkäufer(in) sollte Dir nach einem Gespräch (wo soll's denn hingehen?) einen optimal geeigneten Schuh anbieten können. 

Wichtigstes (ALLERWICHTIGSTES!) Kriterium ist, dass der Schuh Deinem Fuß passt. Um das festzustellen, solltest Du ausgiebig Zeit und ggf. orthopädische Einlegesohlen sowie Deine Wandersocken* [siehe unten: Von den Socken] mit zur Anprobe nehmen. Einen GORE-TEX Schuh muss man nicht mehr lange „eintragen“. Wenn er im Geschäft passt, dann passt er auch im Gelände. 

 

Tipp 2: Probiere die Schuhe am Nachmittag oder abends an. Füße schwellen tagsüber an und Schuhe sollten am größtmöglichen Fuß bequem sein. 

 

Deshalb: Nimm dir Zeit, um im Geschäft herumzulaufen. Nutze Test-Parcours und gehe Treppen hoch und runter, teste ob Dir die Schuhe passen und experimentiere mit der Schnürung. Passen heißt: 

  • Der Schuh darf nicht drücken oder scheuern (auch nicht beim Abknicken am Rist oder an den Zehen) 
  • Die Ferse darf nicht schlupfen
  • Vor den Zehen muss ausreichend Platz sein, um beim Bergabgehen nicht vorne anzustoßen
  • Der Schuh muss eng genug sein, dass man im Schuh nicht herumrutscht (dies wird auch durch die Socken und die Einlegesohle beeinflusst)
  • Der Seitenhalt bei Stiefeln wirkt einem Umknicken entgegen, aber der Schaft scheuert nicht an den Knöcheln

 

Schuhe werden tendenziell beim Tragen weicher. Wenn sie im Neuzustand schon superweich sind, fühlt sich das zwar erstmal bequem an, ist aber kein Qualitätskriterium! 

 

Zweitwichtigstes Kriterium ist, dass der Schuh und die Sohle fest oder weich genug für Dein Vorhaben sind. 

 

Auf die Größe kommt es eben doch an

Machst Du Trailrunning? Dann kennst Du Dich aus. Deine Schuhe sind wahrscheinlich zwei Nummern größer als Deine Daily Lifestyle Lieblings-Schuhe. Bei Wanderschuhen ist das nicht ganz so krass, aber auch hier sollten die Zehen genug Luft haben – nach vorne, nach oben und auch seitlich! Jeder renommierte Schuhhersteller hat seine speziellen Leisten (3D-Fußmodelle) und jemand, dem „ein Meindl“ perfekt passt, könnte mit „einem Lowa“ derselben Kategorie und Größe Probleme bekommen. Zehenbox, Rist und Fersenbereich können sich in Höhe, Breite und Form erheblich unterscheiden. 

Beim Wandern ist das Bergabgehen entscheidend. Bei jedem Schritt rutscht man leicht nach vorne. Ist der Schuh ist zu kurz, stößt man vorne an und erleidet Höllenqualen, blaue Zehen und abgefallene Nägel. Bergauf kann man sich Blasen laufen, wenn der Fersenhalt nicht ausreicht. Das ist nicht schön. Und tut weh. Allerdings kann man mit der richtige Tape-Technik dieses Problem meist komplett in den Griff kriegen. Der im Zehenbereich zu kurze Schuh hingegen bleibt zu kurz. Gegen blaue Zehen hilft kein Tape. 

 

Auf Halt und Dämpfung achten

Die Sohlenstabilität entscheidet zusammen mit dem Profil über den Grip. Beides ist je nach Schuhmodell auf unterschiedlichen Untergrund und Gelände abgestimmt. Dazu passen muss die Schaftstabilität, die genug Seitenhalt bieten, aber die Bewegungsfreiheit nicht einschränken sollte. Dämpfung, das klingt erst einmal gut. Aber zu viel Weichheit („boah, ist der Schuh bequem“) am Schaft kann den Halt reduzieren und zu viel Dämpfung in der Sohle kann die Trittsicherheit beeinträchtigen. Wenn sich ein Schuh schwammig anfühlt, verkrampft man und man ermüdet schneller. Dämpfung bedeutet auch, dass Energie verloren geht. Energie, die man am Ende des Tages vielleicht gerne noch hätte. 

 

Von den Socken

Fuß-Socke-Schuh. Das ist ein funktionales System, in dem alle Komponenten zueinander passen müssen. Eine schlaffe Baumwollsocke wird uns trotz perfekt passendem Topp-Schuh die Tour vermasseln. Materialität, Passform und Konstruktion einer Socke entscheiden (mit) darüber, ob man am nächsten Tag wieder gerne in seine Wanderschuhe steigt. Sie sorgen für Feuchtigkeits- und Temperaturregulation, Dämpfung und (keine) Blasen. Socken sollten über den Schuhrand hinaus reichen und am besten „seamless“ sein (d.h. keine spürbare Zehennaht besitzen). Hochwertige Merinosocken der renommierten Hersteller sind deshalb unschlagbar. Reine Baumwollsocken haben den Nachteil, dass sie sich mit Nässe vollsaugen, diese aber kaum wieder hergeben. Während Merinowolle Feuchtigkeit puffert und das wasserdichte, atmungsaktive GORE-TEX Laminat in seiner Funktion unterstützt, verhindert Baumwolle, dass Schwitzfeuchtigkeit nach außen abgegeben werden kann. Ein Synthetik-Baumwoll-Mix kann auch funktionieren und behält eine gute Passform. Reine Synthetik ist oft nicht angenehm auf der Haut, zu glatt (d.h. man rutscht im Schuh), puffert kaum Feuchtigkeit und riecht nach kürzester Zeit streng. Es gibt Socken mit antibakterieller Silberausrüstung, wovon wir aber abraten. Erstens, weil es oft nicht lange vorhält. Zweitens scheinen Studien zu belegen, dass Keime durch das Silber auch antibiotikaresistent werden könnten. Drittens: Es gibt Merinowolle. Dass sie nicht (bzw. erst nach längerer Zeit) anfängt, zu miefen, ist vielleicht ihr entscheidendster Vorteil. Merinosocken erhalten bei Mehrtageswanderungen nicht nur das Fuß-, sondern auch das Hüttenklima.

 

Temperatur innen und außen

Stabile Wanderschuhe mit dickeren Profilsohlen und GORE-TEX Futter sind gute Allrounder. Im Sommer sorgt die atmungsaktive GORE-TEX Membran für hundertprozentigen Wetterschutz und angenehmes Fußklima, während im Winter ein dickeres Paar Socken meist ausreicht, dass einem die Zehen nicht abfrieren. Flachere Schuhe mit dünneren Sohlen schneiden im Winter deutlich schlechter ab. Denn kalte Füße bekommt man nicht in erster Linie durch zu dünne Schuhe, sondern zu dünne Sohlen! Isolation am Schaft (also echte Winterschuhe) braucht man eigentlich erst, wenn die Temperaturen deutlich unter Null fallen oder man lange im Schnee unterwegs ist (z. B. bei Schneeschuhtouren). Dann sind richtige Bergstiefel oder spezielle Winterwanderstiefel mit GORE-TEX Ausstattung und zusätzlicher Isolation erste Wahl. 

 

Tipp 3: Ersetze bei kälteren Temperaturen das Standard-Fußbett gegen eine Thermo-Einlegesohle.

Ebenfalls entscheidend für kalte oder warme Füße: der Platz im Schuh. Falls Du im Winter ein dickeres Paar Socken anziehst, achte darauf, dass der Schuh dadurch nicht zu eng wird und die Beweglichkeit der Zehen und die Durchblutung der Füße nicht eingeschränkt ist! Besonders zu beachten ist dies bei Kinderschuhen. Am besten verpasst Du dem Nachwuchs richtige Winterstiefel. Oder Du kaufst im Spätherbst die Wanderstiefel eine Nummer größer und überwinterst mit dicken Socken. Dann passen die Schuhe vielleicht zur nächsten Sommerwandersaison perfekt. Vielleicht...

 

Lang lebe der Schuh: Putzen, Pflegen, Reparieren

Sind die Wanderschuhe nach einer Tour wieder Mal eingesaut, sollte man sich ein paar Minuten Zeit nehmen, um die Schuhe zu putzen. Werden Matsch und Sand nicht entfernt, wirken sie durch die Bewegungen beim Gehen wie ein Reibeisen und können das Schaftmaterial schädigen. Außerdem beeinträchtigt der Schmutz die Atmungsaktivität und wirkt hydrophil, d. h. das Außenmaterial saugt sich schneller mit Wasser voll. 

Was also tun? Groben Schmutz gleich nach der Tour mit einer weichen Bürste und kaltem bis lauwarmem Wasser entfernen. Dazu die Schnürsenkel herausnehmen, um auch die versteckten Stellen zu säubern. Innen können Verschmutzungen mit einer kleinen Menge Flüssigwaschmittel und lauwarmen Wasser beseitigt werden (Waschmittelreste wieder gründlich entfernen!). Die Innensohle herausnehmen und diese ebenfalls gut putzen. 

Zum Trocknen die Schuhe ohne Innensohle mit dem Einstieg nach unten etwas abtropfen lassen. Danach mit Küchenpapier (kein Zeitungspapier verwenden) ausstopfen und durchfeuchtetes Papier regelmäßig ersetzen. Gut geeignet sind auch spezielle Schuhtrockner. Vorsicht: Die Schuhe auf keinen Fall an eine direkte Wärmequelle (Lagerfeuer, Kachelofen) oder in die pralle Sonne stellen. Jedes Schuhmaterial (Leder ganz besonders) leidet darunter. Feuchte Schuhe immer an gut belüfteten Orten abstellen, nie im Kofferraum oder im Kellerschrank. 

Um die Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität zu erhalten, sollte die Imprägnierung regelmäßig aufgefrischt werden, sobald das Obermaterial durchnässt. Das geeignete Imprägniermittel hängt vom Außenmaterial des Schuhs ab. Für GORE-TEX Schuhe aus Leder eignet sich eine für GORE-TEX Produkte zugelassene Lederimprägnierung. Zum Putzen hast Du die Schnürsenkel ja bereits entfernt. Die saubere, noch feuchte Lederoberfläche an der frischen Luft gemäß Herstellerangaben gleichmäßig einsprühen. Überschüssiges Imprägniermittel mit einem feuchten Tuch entfernen. 

Nubuk- oder Veloursleder wird mit jedem Mal glatter und dunkelt nach. Es kann ggf. nach der Behandlung mit einer Bürste wieder etwas aufgeraut werden. Nach etwa 24 Stunden ist der Schuh wieder bereit für das nächste Abenteuer. Trocknet das Leder mit der Zeit trotzdem sehr aus, solltest Du es mit Lederwachs behandeln. Bitte keine öl- oder fetthaltigen Produkte verwenden! 

 

Topp Tipp: Ausgelatscht. Aber nicht am Ende.

Was geht bei Deinen Schuhen zuerst kaputt? Ist der Fersenbereich durchgescheuert? Zerbröselt der Schuh an der Abrollfalte im Zehenbereich? Oder ist der Schaft am Knöchelknick porös? Dann sind die Schuhe wahrscheinlich hinüber – außer, der Schuster Deines Vertrauens beherrscht sein Handwerk und die Schuhe sind so hochwertig, dass eine Reparatur möglich ist.

Falls nur die Sohle durchgewandert ist, haben wir eine gute Nachricht für Dich: Hochwertige Wanderschuhe gezwickter Machart der renommierten Markenhersteller sind problemlos wiederbesohlbar! Viele unserer Markenpartner (Lowa, Meindl, Hanwag, Mammut, Scarpa,...) oder Händler bieten diesen Service an, beispielsweise die Schuhwerkstatt von Sport Schuster. Dabei wird die komplette Sohleneinheit erneuert, inklusive der Dämpfung, manchmal wird der Sohlenrand repariert, oft gibt's neue Schnürsenkel und geputzt und imprägniert werden die Schuhe obendrein. Man erhält also einen runderneuerten Schuh zurück, der den großen Vorteil hat, dass man sich sicher sein kann, dass er perfekt passt. 

 

Hier noch ein paar ultimative Must-Haves für diesen Wanderherbst und Winter:

 

Dachstein: Der Super Ferrata GTX trägt sein Zielgebiet schon im Namen: Klettersteige, sportliche Bergtouren. Mit weit nach vorne reichender Schnürung kann der atmungsaktive, wasserdichte Schuh auch im Zehenbereich gut angepasst werden.

Lowa Innox Pro GTX Mid: Ein sehr leichter agiler Allrounder mit textilem Schaft für Wanderungen und Alltagseinsatz in einfacherem Gelände und bei wärmeren Temperaturen. Wasserdicht, vielseitig, bequem.

Lowa Ticam II GTX: Ein Trekkingstiefel für anspruchsvolle, lange Touren und schweres Gepäck. Mit festem, verwindungssteifem Sohlenaufbau, strapazierfähigem Lederschaft und Gummiverstärkungen im Zehenbereich und an der Ferse.

Meindl: Der Litepeak GTX ist ein wasserdichter Leichtwanderstiefel der Extraklasse und war deshalb auch schon Testsieger. Er ist stabil, bietet perfekten Schutz und sehr gute Trittkontrolle auch bei gröberen Bergwanderungen. Die PRO Version ist sogar für Steigeisen mit Kipphebelbindung geeignet – perfekt für Altschneefelder, Gletscherquerungen und unvorhersehbare Bedingungen.

La Sportiva Pyramid GTX: Leichtes Leder, leichtgängige Schnürung, toller Style, wasserdicht und rundum atmungsaktiv dank GORE-TEX Surround Technologie: Der Fuß kann dadurch auch nach unten durch die Sohle „abatmen“, was außergewöhnlichen Klimakomfort ermöglicht. Für laaaange und kurze Wanderungen in moderatem Gelände ein perfekter Begleiter.

Salomon Vaya GTX: Ein leichter, praktischer Outdoor-Schuh mit ungewöhnlicher Optik und herausragenden inneren Werten: Er passt sich dem Fuße sehr gut an, unterstützt die Abrollbewegung, ist wasserdicht und atmungsaktiv und bietet mit seiner Stollensohle guten Grip.

 

Scarpa Mojito City Mid Men Wool GTX. So lang der Name, so geil der Style. Eine moderne Ikone des Schuhdesigns, wasserdicht dank GORE-TEX Ausstattung und trotz City im Namen ein waschechter Outdoor-Schuh. Nicht für richtiges, langes Wandern, aber für langes Draußensein.