David Lama: Pionier einer neuen Bergsteigergeneration
Vom gepriesenen Wunderkind zu einem der besten Kletterer und Alpinisten: Wenn es ums Klettern geht, kommt man an seinem Namen nicht vorbei. Ein Portrait über den GORE-TEX Athleten David Lama.


Keiner beginnt seine alpine Karriere außerhalb seiner Komfortzone. David Lama schon. Wie ein kleiner Stecknadelkopf wirkt er im Trailer seines Films, an der 3.128 Meter hohen, senkrecht in den Himmel ragenden Headwall des Cerro Torre. Als erster Mensch hat David Lama mit gerade mal 23 Jahren das geschafft, was keiner für möglich gehalten hat: Er klettert den Cerro Torre frei, nur mit einem Seil gesichert. Selbst Bergsteiger-Legende Reinhold Messner bezeichnet seine Leistung als wesentlichen Höhepunkt der alpinen Geschichte. Für den heute 25-jährigen Lama selbst war das Projekt am Cerro Torre ein Wendepunkt, es machte ihn vom Sportkletterer zum Alpinisten.

Im zarten Alter von fünf Jahren fällt keinem Geringeren als Bergsteiger-Legende Peter Habeler Davids außergewöhnliches Gespür für den Felsen auf. Er wird daraufhin als jüngstes Mitglied in die Trainingsgruppe rund um Reini Scherer aufgenommen, der ihm die Leidenschaft zum Klettern wie kein anderer zu vermitteln weiß. Als er in seiner Jungendzeit nahezu alle Wettkämpfe gewinnt, fällt immer öfter die Bezeichnung Wunderkind. Bereits als 15-jähriger steigt er in den Weltcup der Erwachsenen ein und ist dort gleich in seiner ersten Saison mehrfach siegreich. Trotz seiner Erfolge im Wettkampf zieht es ihn aber immer öfter in die Berge. Er realisiert erste Erstbegehungen, ein Trip ins Yosemite Valley entfacht seine Passion für große Wände. Um den Fokus voll dem Klettern widmen zu können, bricht David die Schule ab.

Die Suche nach dem Abenteuer

Denn abseits der Wettkampfbühne reizen David vor allem alpine Abenteuer. Während andere sich nur für den Wettkampf vorbereiten, trainiert der Tiroler mit den pechschwarzen Haaren auch draußen am Fels. Er weiß, was er will, folgt seiner Intuition und lässt sich vom weltberühmten Cerro Torre in Patagonien in dessen Bann ziehen. Drei prägende und lehrreiche Jahre später hat er sein Ziel erreicht. "Für mich ist diese erste freie Begehung der Südostkante das Ende meines bislang wohl größten Abenteuers. Ganz besonders stolz bin ich darauf, die ganze Route ohne neue Bolts frei geklettert zu sein.“ Schreibt er auf seiner Website. Spätestens jetzt weckt David vollends mediales Interesse. Sein eigener Film über diese sagenhafte Expedition entsteht, ein Buch hat er auch schon auf dem Markt – wenn es ums Klettern geht, kommt man an seinem Namen nicht mehr vorbei.
Klettern gibt mir eine Möglichkeit, mich auszudrücken.

Der Ruhm um sein Talent hat den sympathischen, 165 Zentimeter großen David trotzdem nicht verändert. Es sei natürlich eine große Anerkennung, in aller Munde zu sein. Man höre immer lieber, dass man etwas gut könne, als das Gegenteil, sagt er. Doch für ihn war das nicht der Antrieb, weiterzumachen. „Das Klettern ist vielmehr eine tiefe Leidenschaft, die mich seit eh und je begleitet. Klettern gibt mir die Möglichkeit, mich auszudrücken.“ Bei Erstbegehungen hinterlasse man mehr, als nur ein paar Magnesiumspuren, man hinterlasse seine Idee, die sichtbar sei für andere Kletterer. Die Leidenschaft für die Berge scheint ihm in die Wiege gelegt, wurde er doch als Sohn einer österreichischen Krankenschwester und eines nepalesischen Sherpas geboren. Seine Eltern lernten sich einst auf einer Hochgebirgstour in Nepal kennen.
 C.Rich - Red Bull Content Pool
Bereits im Alter von fünf Jahren fällt sein außergewöhnliches Gespür für den Felsen auf. ©C.Rich - Red Bull Content Pool

„Ich will stets mein Bestes geben.“

Zahlreiche Sponsoren und sportliche Erfolge mit gerade mal 25 Jahren. Doch unter Druck lässt sich der Alpinist nicht setzen, mit seiner offenen Art verspricht er auch gegenüber seinen Sponsoren nichts, was er nicht halten kann: „Ich will stets mein Bestes geben, aber beim Bergsteigen und Klettern kann es eben passieren, dass man trotzdem keine Chance hat.“ Das musste David im letzten Jahr am eigenen Leib erfahren. Seine Expedition zum Lunag Ri mit Seilpartner Conrad Anker in Nepal ist ihm fast geglückt, doch der Gipfel blieb diesmal aus. Für David ist klar: Dieses Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Im kommenden Herbst wird er erneut Richtung Nepal starten.

David wirkt vollends zufrieden und ausgeglichen, er weiß, was er erreicht hat und schätzt es. Ein Sturz im vermeintlich sicheren Sportklettergarten verändert vor einigen Jahren zudem seine Einstellung zum Leben. Ihm wird klar, wie schnell es zu Ende sein kann. Ein Griff bricht aus, sein Sturz endet nur knapp über dem felsigen Boden zwischen zwei eisernen Pfosten, die ihn regelrecht aufgespießt hätten. Seither engagiert er sich auch für Wings for Life, einer Intuition, die Querschnittslähmung heilbar machen möchte.

David Lama ist schon heute eine Legende des Klettersports und einer der großen Alpinisten, die die Welt zu bieten hat. Der Reiz des Unbekannten zieht ihn immer wieder auf neue Expeditionen, im Schnitt zwei Mal pro Jahr. „Wenn eine Wand oder ein Berg noch nicht begangen ist, dann hat man mehr Platz für seine eigenen Vorstellungen und kann diese kreativ in die Tat umsetzen. Wie beim Skifahren: „Wenn schon Hunderttausende Spuren im pulvrigen Schnee hinterlassen haben, ist es schwierig, eine eigene Linie zu ziehen. Wenn man aber einen unverspurten Hang vor sich hat, kann man seine Linie genau dort ziehen, wo man sie haben möchte.“

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