Der Kälte trotzen: Wie GORE-TEX Athleten mit eisigen Zeiten umgehen
Unsere GORE-TEX Athleten Tamara Lunger, Stefan Glowacz und David Lama sind in Sachen Kälte einiges gewohnt. Wir haben sie zu ihren persönlichen, eiskalten Erfahrungen befragt und uns ein paar Tipps geholt.


Was fasziniert dich am Winter, an Eis und Schnee?

Tamara: Je kälter es wird, umso weniger Seelen sind draußen anzutreffen und ich kann meine innere Ruhe finden.
Stefan: Am Winter fasziniert mich die Tatsache, dass er irgendwann auch mal wieder vorbei ist. Ich bin Felskletterer aus Leidenschaft und konnte mich zu keinem Zeitpunkt mit dem Eisklettern anfreunden. Auf der Suche nach neuen, unentdeckten Big Walls führten mich meine Wege durch Urwälder, Steppen und das zugefrorene Meer bis ans Ende der Welt. Dabei habe ich jedoch festgestellt, dass ich wesentlich besser mit den kalten Polarregionen zurechtkomme als mit brütend heißen Regenwäldern.

Ab welchen Minustemperaturen wird es für dich persönlich draußen ungemütlich?

Tamara: Das kommt bei mir immer drauf an. Am besten, ich rede mir selbst ein, dass es gar nicht kalt ist und dann geht alles schon viel leichter. Außerdem mag ich keine Thermometer in meiner Nähe, das hemmt mich mental.
Stefan: Ich komme mit tiefen Temperaturen eigentlich ganz gut zurecht, solange ich die Ausrüstung entsprechend darauf abstimmen kann. Aber klar, bei minus 30 Grad liege auch ich lieber vor dem Kachelofen in einer gemütlichen Hütte.
David: Für mich kommt es immer darauf an, wie lange ich extremen Temperaturen ausgesetzt bin. Für kurze Zeit lässt sich auch eisige Kälte gut aushalten, so wie man in der Sauna bei 100°C ja auch nicht sofort gegart ist. Expeditionen, bei denen sich die Luft auch untertags nur knapp über den Gefrierpunkt erwärmt, sind deshalb zum Beispiel im Vergleich zu einer Skitour bei -20°C viel kräftezehrender.
Pic: Klaus Fengler

Was war in Sachen Kälte bisher deine größte Herausforderung, dein eisigstes Erlebnis?

Tamara: Das war im Winter 2016 in Pakistan am Nanga Parbat, wo ich nach dem Klogang auch noch vergessen habe, meine Portale wieder zu schließen. Grausig kalt!
Stefan: Bei einer Expedition in den Ural zu den 7 Giants fielen die Temperaturen auf minus 45 Grad. Das war die kälteste Temperatur, die ich jemals erlebt hatte. Dies ist ein Bereich, in dem es wirklich gefährlich ist, sich schwere Erfrierungen zuzuziehen.
David: Bei mir was es das Biwak, das ich während der ersten Winterbegehung des Schiefen Risses an der Sagwand (Zillertal, Österreich) machen musste. Es hatte beim Losgehen am Parkplatz, über 1200 Höhenmeter tiefer, bereits unter -20°C und ich musste zusammen mit meinen Partnern eine Nacht ohne Zelt, nur im Sommerschlafsack auf einem kleinen Podest sitzend, verbringen. Dazu kam noch der ständige Spindrift, der nicht funktionierende Kocher und dass wir am nächsten Tag durch sehr anspruchsvolles Gelände weiterklettern mussten.
Copyright: Dani Arnold

Wie wappnest du dich bekleidungstechnisch gegen hohe Minusgrade?

Tamara: Ein Daunenanzug und die Alpaka Leggins, gestrickt von meiner Mama. Mama ist die Beste! Auch Merino mag ich sehr gerne.
Stefan: Ich praktiziere das Zwiebelprinzip. Mehrere Schichten, die ich entsprechend ablegen kann. Gerne Daune gegen Kälte, die äußerste Schicht ist jedoch immer eine GORE-TEX Jacke, um mich gegen Wind zu schützen.
David: Man muss seine Bekleidungsschichten immer auf die geplante Tour abstimmen. Ist man ständig am Klettern oder gibt es längere Pausen, um den Partner zu sichern oder vielleicht sogar ein Biwak? Wie lange oder wie viele Tage ist man unterwegs? Bei den meisten Touren habe ich aber lange Funktionsunterwäsche, eine dünne Kunstfaserjacke und meine GORE-TEX Jacke an. Und wenn’s ganz kalt wird, eine Daunenjacke als Reserve im Rucksack.

Wie schützt du Gesicht, Hände und Füße? Persönliche Tricks?

Tamara: Das Gesicht mit Kinesiotape und Sturmhaube, Hände mit dicken Daunenhandschuhen, sofern die Route nicht zu technisch ist. Die Füße sind immer so eine Sache, da habe ich selbst noch nichts wirklich Hammermäßiges gefunden.
Stefan: Das Gesicht schütze ich bei wirklich sehr tiefen Temperaturen mit einer fetthaltigen Creme. Mein Trick für die Füße: Kompressionssocken, die sehr eng anliegen. Ich verwendete bei meiner letzten Baffin Expedition Kompressionssocken von CEP und war absolut begeistert. Sie liegen so eng an, dass man durchaus noch einen zweiten dünnen Socken darüber ziehen kann. Das war aber nie nötig.
David: Wichtig finde ich, dass vor allem bei mehrtägigen Touren Handschuhe, Socken und Schuhe trocken bleiben oder über Nacht wieder trocknen. Bei unseren Expeditionen trocken wir Socken und Handschuhe in der Wand, indem wir sie in der Nacht am Oberkörper zwischen die erste und zweite Bekleidungsschicht legen und damit schlafen.
Pic: Klaus Fengler

Wenn es dich eiskalt erwischt hat, wie taust du am schnellsten wieder auf?

Tamara: Rein in frische Klamotten und dann in den Schlafsack.
Stefan: Am liebsten natürlich an einem Ofen in einer gemütlichen Hütte. Auf meinen Expeditionen sind ein sehr guter Daunenschlafsack und ein stabiles Zelt die einzige Möglichkeit, enormer Kälte zu trotzen.

Was muss bei dir auf einer Tour für eisige Notfälle unbedingt dabei sein?

Tamara: Ein Tee wäre fein.
Stefan: Eine Rettungsdecke und wenn möglich ein warmer Schlafsack.

Tage- oder gar wochenlanges Biwakieren in Schnee und Eis. Wie hältst du dich bei Laune?

Tamara: Eigentlich brauche ich nichts, was mich bei Laune hält, es gefällt mir einfach. Und natürlich der richtige Kletterpartner;)
Stefan: Das ist reine Einstellungssache und zum Wohlfühlen kommt es vor allem auch auf die entsprechende Füllmenge des Daunenschlafsacks an. Bei niedrigen Temperaturen ist ein unterdimensionierter Schlafsack die absolute Hölle. Aber der beste Schlafsack funktioniert nicht, wenn die Matte nicht entsprechend für Wintereinsätze ausgelegt ist. Bei Expeditionen in Eis und Schnee verwende ich nur Matten mit Daunenfüllung. Und wenn es richtig hart kommt, wirkt ein Stückchen Schokolade als Trost oft Wunder.
David: Eine Speckjause und Kartenspielen lassen die Zeit oft schneller vergehen.
Pic: Klaus Fengler

Was sind deiner Meinung nach die häufigsten Fehler, die Freizeitsportler beim Thema Kälte machen?

Tamara: Die mentale Schwäche und schon von vorneherein eine negative Einstellung.
Stefan: Falsche Planung aufgrund von Unerfahrenheit und/oder Nachlässigkeit. Bei jeder Tour muss ich immer von einem witterungsbedingten „Worst Case“-Szenario ausgehen und meine Ausrüstung entsprechend darauf abstimmen. Dass auch im Hochsommer in 3000 Meter Höhe bei einem Wettersturz die Temperaturen auf unter null Grad abstürzen können, das muss ich wissen und durch professionelle Planung und entsprechender Ausrüstung versuchen, immer in einer Position zu bleiben, in der ich agieren und nicht nur noch reagieren kann.
David: Dass sie sich nicht darauf einstellen und damit abfinden können.

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