Edurne Pasaban
Die baskische Profibergsteigerin gilt als die erste Frau, die 14 Achttausender komplettiert hat. Ein Portrait über den Menschen und die Athletin Edurne Pasaban.


Geschichten über Berge sind vor allem Geschichten über Menschen, denn am Berg begegnen wir uns selbst. GORE-TEX Athletin Edurne Pasaban weiß das, wie keine andere. Sie hat alle 14 8.000er dieser Welt bestiegen und damit Alpingeschichte geschrieben. Der Name Edurne heisst ins Deutsche übersetzt „Schnee“. Der fällt in ihrer spanischen Heimatstadt Tolosa eher selten. Dort kommt Edurne Pasaban am 1. August 1973 zur Welt. In der Obhut ihrer Eltern erhält die kleine Edurne stets Schutz, „sie haben mich vor allem bewahrt, bis zum Exzess“, sagt Edurne später.

Was mir die Berge geben? Ich bin dort frei!

Als Teenager lernt sie ihren Cousin Asier Pasaban kennen, er ist Kletterlehrer im Alpenverein, mit ihm beginnt ihr Leben am Berg. Für Edurne ist das Klettern mehr, als ein Hobby, es wird zu ihrem Rettungsanker, ihr Weg zum selbständigen Leben ohne die schützenden Hände ihrer Eltern. Mit nur 16 Jahren besteigt Edurne bereits den Mont Blanc. 1997 tritt sie nach ihrem Studium zur Maschinenbauingenieurin in die Firma ihres Vaters ein. Hier wird die 1,80-Meter große Frau jedoch nicht glücklich, sie startet ihr eigenes Business, übernimmt ein Restaurant und macht daraus das Landhotel „Abeletxe“. Jede freie Minute trainiert sie.

Der siebthöchste Berg der Welt ruft

Nach Erfolgen auf Sechstausendern in den Anden startet sie 1998 ihre erste Himalaya-Expedition zum siebthöchsten Berg der Erde: den 8.167 Meter hohen Dhaulagiri im Himalaya, wenn auch vorerst ohne Gipfelerfolg. Auf dieser großen Reise lernt sie ihre erste Liebe Silvio kenne. Der 15 Jahre ältere, verheiratete Italiener sollte eine Liebe bleiben, die nur in der Ferne gelebt werden konnte. Doch von ihm lernt sie das notwendige Rüstzeug zum Überleben auf dem Berg, seine Präsenz bedeutet für Edurne Sicherheit.
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2003: Edurne auf dem Gipfel des Gasherbrum II

Der Weg zu sich selbst und auf den K2

2001 setzt sie im Alter von 27 Jahren den Fuß auf ihren ersten Achttausender, der zugleich der höchste von allen ist: der Mount Everest. Als die Liebe zu Silvio zerbricht, will die hübsche Baskin endlich auf sich selbst vertrauen, herausfinden, ob sie auch in der Lage sei, eine Expedition ohne ihn zu organisieren. „Für mich ging es darum, auf einen Schlag endlich erwachsen zu werden“. So startet sie 2002 als ersten Beweis auf den 8.201 Meter hohen Cho Oyu und erklimmt den Gipfel. Im Mai 2003 reiht sie mit dem Lhotse den bereits vierten Achttausender aneinander. Sie fühlt sich mit nun 29 Jahren körperlich und mental in Höchstform. Und nimmt sich den zweithöchsten Berg der Erde vor: den K2 mit 8.611 Metern. Er besitzt einen berüchtigten Ruf unter Alpinisten, auch weil er als der schwierigste Berg gilt. Natürlich frägt sich Edurne, ob ihre bisherigen sechs Achttausender ausreichen, um sich an diese Superlative eines Berges zu wagen. Doch für sie ist die Expedition eine große Chance, sie will ihrer Bergleidenschaft folgen. Der K2 hat ihr Leben verändert: Edurne verliert auf dieser Expedition zwei Zehen, doch wegen der Erfrierungen hätte sie niemals daran gedacht, das Bergsteigen aufzugeben.

Höhen und Tiefen

Nach ihrem großen Erfolg auf dem K2 stehen Edurne harte Zeiten bevor, während ihrer Besteigung des Nanga Parbat im Jahr 2005 erleidet die Athletin große Depressionen und versucht sich 2005 das Leben zu nehmen. Edurne kommt in eine Klinik in Pamplona. Sie ist gezwungen, sich mit sich selbst zu beschäftigen und schafft es im Jahr 2006, gestärkt aus der Krise herauszutreten. Endlich beginnt sie wirklich an sich zu glauben, sie beendet ihr zweites Studium zum Coaching und Management in Barcelona und fühlt sich besser denn je.
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Das einst schüchterne Mädchen aus Tolosa, das sich kaum über den Schatten ihrer Eltern hinaus traute, ist heute weit über die Grenzen Europas bekannt und ist genau 22 Jahre nach Berglegende Reinhold Messner der 22. Mensch überhaupt, der im Jahr 2010 alle Achttausendergipfel erreicht hat. Von Selbstzweifeln ist heute nichts mehr zu spüren, die Athletin hält Reden vor vollen Sälen, coacht Führungskräfte und hat die Reiseagentur „Kabi Travels“ gegründet, Kabi ist das baskische Wort für K2. Mit ihrer Firma „Mountaineers for the Himalayas Foundation“ unterstützt Edurne Pasaban die Ausbildung von Kindern im Himalaya.

GORE-TEX Experience Tour mit Edurne Pasaban

[caption id="" align="alignright" width="729"]with edurne © Alun Richardson[/caption]

Bei Gore sind wir stolz, Edurne zu unserem Athleten-Team zu zählen. Im Rahmen der "History Sessions" der GORE-TEX Experience Tour begab sich die bekannte baskische Höhenbergsteigerin 2015 mit den Gewinnern auf die Spuren von Berglegende Lucy Walker auf das Balmhorn in der Schweiz. Auch im Jahr 2011 begleitete Edurne im Projekt „Frauenpower“ eine Gruppe glücklicher Gewinner auf den Aneto, den höchsten Berg der Pyrenäen.

Ich bin heute Alpinistin, weil ich es so entschieden habe.

Trotz ihrer sportlichen Erfolge, Edurne hat für ihren alpinistischen Erfolg einen hohen Preis gezahlt und ihren Traum von einer Familie aufgegeben. „Wir müssen uns im Leben für den einen oder den anderen Weg entscheiden. Indem wir das tun, schließen wir andere Möglichkeiten aus. Auch wenn wir nicht wissen, wo es hinführt. Ich bin heute Alpinistin, weil ich es so entschieden habe.“ Sie hat gelernt Vertrauen zu haben, vor allem zu sich selbst.

Mehr über Edurne Pasaban erfahrt ihr in der Biografie „Im Schatten der Achttausender“ von Franziska Horn.