„Einmal Petra sehen…“ – Trekking in Jordanien
Weite Wege gehen liegt im Trend und bekanntlich ist ja der Weg das Ziel. Wenn der Weg aber alles andere als gewöhnlich und das Ziel ein lang ersehntes ist, ist das Erlebnis umso intensiver. Unsere Autorin hat sich auf den Weg in die Stadt ihres Vornamens gemacht.


Bizarre Gesteinsformationen ragen in den Himmel, riesige, abstrakt gemusterte Felsen in vielerlei Farbschattierungen, dazwischen Palmen und blühender Oleander und ein immer tiefer werdender Bachlauf, dessen Wasser auf einmal am Ende der Schlucht wieder verschwunden ist und die Landschaft dann wieder knochentrocken. Ja, man kann durchaus von einer optischen Reizüberflutung sprechen, die einem in Jordanien begegnet. Das von Deutschland nur rund viereinhalb Flugstunden entfernte Land im Nahen Osten überrascht mit einer Vielfalt und Schönheit, in der naturliebende Wander- und Bergsportfreunde in wilden Canyons, grandiosen Bergen, antiken Stätten und faszinierenden Wüstenlandschaften unvergessliche Eindrücke und Erfahrungen sammeln können.

(c) Petra Rapp


Das Haschemitische Königreich, in dem seit 1999 der westlich orientierte, mit einer Engländerin verheiratete und selbst Outdoorsport begeisterte König Adullah II bin Al Hussein regiert, zeigt sich seit vielen Jahren als politisch friedliche Oase inmitten einer krisengeschüttelten Region. Ein Ruhe-pol mit langer und fesselnder Historie, der allerdings unter der politischen Situation in den Nachbarländern leidet. „Seit der Syrienkrise ist der Tourismus in Jordanien stark zurückgegangen“, erzählt unser Guide in perfektem Deutsch. „Jordanien ist ein Land, in dem sich drei Weltreligionen begegnen und man einige Verhaltensweisen beachten sollte. Aber man kann sich hier überall frei und sicher bewegen.“ Ein Eindruck, den viele Individualtouristen wie auch einige allein reisende Europäerinnen bestätigen.

(c) Petra Rapp
Ein junger Beduine mit Träumen
Europa, dort will Suleyman auch unbedingt einmal hin. Der 28jährige ist eins von zehn Kindern einer großen Beduinenfamilie, die im Naturreservat Dana in der Nähe von Feynan rund zwei Auto-stunden südlich vom Toten Meer, dem tiefsten Punkt der Erde, lebt. Hier kann man vier verschiedene Klimazonen von der Wüste bis hin zum subtropischen Klima und eine einzigartige Naturvielfalt mit mehr als 600 Wildpflanzen- und 250 Tierarten, darunter auch Wölfe, Adler und Hyänen erleben. „You can have everything from nature“, erzählt Suleymann und erklärt auf unserem sechsstündigen, sehr abwechslungsreichen Weg mit kleineren Kraxelpassagen durch das schöne Wadi Ghwayr, wie die Beduinen aus den Oleanderblüten Shampoo für die Ziegen machen, welche Blätter antiseptisch wirken und deshalb als natürliche Erste-Hilfe-Wundversorgung verwendet werden können und von welchen Bäumen man die kleinen, sehr nährstoffreichen Früchte essen und damit ganz gut ein paar Tage hier in der Einsamkeit durchhalten kann. Dass er nicht viel braucht zum Leben, sieht man ihm an. Bereits als kleiner Junge hat er hier viele Tage und Nächte alleine im Freien bei der Ziegenherde verbracht. „So einen Sternenhimmel wie hier erlebst du nirgendwo sonst“, schwärmt er und möchte doch einmal selbst die Skylines von Paris oder London bei Nacht sehen.

(c) Petra Rapp
Petra – Wandern zwischen monumentaler Kunst im Fels
Von Feynan aus können Trekkingliebhaber in einer reizvollen Dreitagestour nach Petra wandern. Die über 2000 Jahre alte, ehemalige nabatäische Handelsstadt liegt von hohen Bergen umgeben versteckt im Süden Jordaniens. Die prachtvoll-beeindruckende Felsenstadt, die zu Lebzeiten Jesu an die Vierzigtausend Einwohner hatte, war über 1000 Jahre in Vergessenheit geraten, bis sie 1812 vom Schweizer Forscher Johann Ludwig Burckhardt wiederentdeckt wurde. Petra ist heute einer der größten archäologischen Schätze weltweit und zweifellos die bedeutendste touristische Attraktion Jordaniens. Man nimmt an, dass bisher nur zehn Prozent der antiken Stadt ausgegraben sind – und allein die sollte man unbedingt gesehen haben. Die klassische Tagestour durch das UNESCO Weltkulturerbe führt vorbei an hunderten Felsengräbern und Tempelfassaden, Grabhallen und Felsreliefs. Die imposante Schlucht, auch Siq genannt, die sich über einen Kilometer lang durch die roten Felsen bis zum berühmten Schatzhaus (auch bekannt aus der „Indiana Jones“-Verfilmung) schlängelt, ist ein einzigartiges, jedoch sehr anfälliges Naturwunder. Umwelteinflüsse und Erosion setzen dem Siq wie allen anderen Gebäuden hier zu, weshalb die UNESCO ein Schutzprojekt ins Leben gerufen hat.

(c) Petra Rapp
Ruhige Trails abseits des Trubels
Wer dem touristischen Trubel entfliehen und Petra auch von einer anderen, ruhigeren Seite kennenlernen will, sollte sich für eine Wanderung abseits der klassischen Route entscheiden. Ein Wegenetz von insgesamt 60 Kilometern an schönen Trails umgibt Petra. Einer davon führt am Bab as Sik Triklinium hinter dem Haupteingang hinauf zum fernen Opferplatz al-Madras. Vorbei an wildem Pfeffer, alten Wohnhöhlen und Wasserzisternen sind wir schon nach ein paar Metern in der völligen Einsamkeit. Ohne Guide ist man hier schnell verloren. Die labyrinthartig verlaufenden Wege sind schwer ersichtlich und nur mit aufgeschichteten Steinen gekennzeichnet. Immer wieder tun sich tiefe Abgründe und faszinierende Blicke in die historische Stadt unten auf. Wer zu spät auf-bricht, kommt hier schnell ins Schwitzen. Die Sonne brennt vor allem auf der trockenen Hochebene ziemlich herunter, Sonnenschutz und ausreichend Wasservorräte sind gefragt. Große Obelisken deuten den Weg zum Opferplatz, der hoch oben über Petra thront. In notdürftig eingerichteten Verschlägen offerieren Beduinenfamilien am Weg Tee, kühle Getränke und Souvenirs. Auf dem Weg wieder hinunter in das klassische Petra begegnet man überall historisch spannenden Relikten. „Diese herzförmige Säule am Boden war ursprünglich ein Gesäß und in der Römerzeit das Zeichen für das örtliche Bordell“, erzählt Guide Raed. Weiter unten zieht ein eigenartiger Beutel am Fels die Blicke auf sich. „Das ist Hyänenfleisch. Das hängen die Beduinen hier zum Trocknen auf, machen dann Pulver daraus und geben es auf das Fell ihrer Schafe. So werden sie von den Hyänen nicht so leicht gewittert.“ Nach gut zehn Kilometern und 840 bewältigten Höhenmetern führt der Trail zu-rück zum Nabatäischen Tempel. Langsam senkt sich die Sonne und die vielen unterschiedlichen Rottöne der Felsfassaden leuchten immer intensiver. Einmalige Augenblicke und intensive Eindrücke, die man mitnimmt auf dem historischen Weg hinaus aus dieser faszinierenden Stadt, aus diesem unglaublich intensiven Land, wo es noch so viel mehr zu entdecken gäbe. Ila - Aliqa'a, auf Wiedersehen Jordanien und Friede sei mit Dir!

(c) Petra Rapp
Ausrüstungstipp: Trekkingschuhe mit GORE-TEX SURROUND™
Neben üblicher Trekkingausrüstung samt atmungsaktiver, langärmeliger Trekkingbekleidung (UV-Schutz!) und Kopfbedeckung sowie einer wärmeren Schicht für die Nacht sind wirklich gute Schuhe das wichtigste Element für ein schönes Trekkingerlebnis in Jordanien. Denn die vielfältigen Aben-teuer durch tiefen Sand oder Wasserläufe, die Kraxeleien über vielerlei Gestein und die weiten We-ge bei meist heißen, aber vor allem nachts auch mal kalten Temperaturen sind ein echter Härtetest für die Treter. Gefragt sind passende, knöchelhohe Schuhe, die jeden Meter des Weges bedin-gungslos mitmachen und bei allen Verhältnissen für ein gutes Fußklima sorgen. Ziemlich perfekt dafür gemacht: Schuhe wie beispielsweise der X-SO 70 Mid GTX® von Meindl für Damen. Die integrierte GORE-TEX SURROUND® Produkttechnologie ermöglicht nämlich 360 Grad Klimakomfort für den ganzen Fuß. Die Schuhe sind rundum hoch atmungsaktiv ohne Abstriche beim dauerhaft wasserdichten Schutz. Die Füße bleiben so auch bei den oft höheren Temperaturen in Jordanien angenehm trocken. Und wenn man doch mal durch knie- oder hüfttiefes Wasser eines Canyons waten muss, trocknen sie beim Gehen auch wieder relativ schnell. Wichtig sind dazu aber auch unbedingt funktionelle, schnell trocknende Socken oder Strümpfe.

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Infos Petra, Jordanien
  • Jordanien liegt im Nahen Osten. Das Land der Beduinen bietet zahlreiche Trekking- und auch Klettermöglichkeiten zwischen Sanddünen, Granitfelsen, uralten Wadis und bizarr ge-formten Sandsteintürmen.
  • Trekking-Distanz von Dana bis Petra beträgt 80 km
  • Dauer: 6 bis 7 Tage
  • Beste Zeit: Oktober bis April
  • Infos: www.visitjordan.com
Weitere populäre Treks weltweit
Es gibt viele spannende Trekkingtouren auf diesem Planeten. Die Tour in Jordanien ist eine davon. Hier eine Auswahl weiterer Trekkingtouren, die von National Geographic, Condé Nast Traveler und the Travel Channel empfohlen werden:
Kungsleden, Schweden
Der Kungsleden liegt 161 km nördlich des Polarkreises und umfasst insgesamt 443km an arktischem Terrain, Rentierzuggebieten, Gletschern und abgeschiedenen Wäldern.
  • Durchschnittliche Entfernung für eine Segmentwanderung: 105 km
  • Dauer: 3 bis 5 Tage
  • Beste Reisezeit: August / September
Camino de Santiago, Spanien
Der Camino, welcher sich über die Pyrenäen von Frankreich nach Spanien erstreckt, folgt einer al-ten Pilgerroute, die seit dem Mittelalter begangen wird.
  • Entfernung: 805 km insgesamt
  • Dauer: 30 Tage, abhängig von der gewählten Strecke
  • Beste Zeit zu gehen: Juni bis Oktober
Haute Route, Schweiz und Frankreich
In den europäischen Alpen gelegen, führt dieser ikonische Höhenweg von Chamonix nach Zermatt und bietet dabei umwerfende Ausblicke auf das Matterhorn und dem Mont Blanc.
  • Entfernung: 179 km von Chamonix nach Zermatt
  • Dauer: 12 Tage
  • Beste Zeit zu gehen: Juli bis September
GR 20, Frankreich
Der GR 20 liegt an der Nord-Süd-Achse der Berge der Insel Korsika und wird oft als die schwierigste Hochgebirgsfernwanderung in Europa bezeichnet.
  • Entfernung: 180 km
  • Dauer: 12 bis 15 Tage, einschließlich ein oder zwei zusätzlicher Tage bei schlechtem Wetter
  • Beste Zeit zu gehen: Juni bis Oktober
St. Olav's Way, oder der Pilegrimsleden (Pilgerweg), Norwegen
Für die Strecke von Oslo nach Trondheim, gibt es sechs verschiedene Routen um diese alte Pilger-fahrt zu begehen, welche zunehmend an Beliebtheit gewinnt.
  • Entfernung: ca. 640 km, abhängig von der Route
  • Dauer: 15 bis 20 Tage
  • Beste Zeit zu gehen: Juni bis August