GORE-TEX #Athletecouch mit Stefan Glowacz
Am 5. Juli 2018 fand zum dritten Mal die GORE-TEX #Athletecouch in Kooperation mit ALPIN und Marmot statt. Dieses Mal ging es in die Vulkaneifel, genauer nach Kottenheim, einem bezaubernden Örtchen 85 Kilometer südlich von Köln.


Am 5. Juli 2018 fand zum dritten Mal die GORE-TEX #Athletecouch in Kooperation mit ALPIN und Marmot statt. Dieses Mal ging es in die Vulkaneifel, genauer nach Kottenheim, einem bezaubernden Örtchen 85 Kilometer südlich von Köln, wo – Nomen est Omen – Gewinner Jannik F. mit seiner Lebens- und Kletterpartnerin Christina und Hund Costa zu Hause ist. Auf Janniks gemütlichem, großen gelben Sofa nahm dieses Mal GORE-TEX Athlet und Kletterurgestein Stefan Glowacz Platz, welcher just an diesem Tag frühmorgens in München zu seiner bisher längsten Expedition aufbrach. Auf seinem Weg, vorerst nach Schottland, legte der 53-jährige Abenteurer in Kottenheim einen 4-stündigen Zwischenstopp ein, um Jannik & Christina und deren Kletterfreunde Florian, Larissa, Simon und Bea zu besuchen.


Jannik hatte sich für die #Athletecouch beworben, als er in der nahegelegen Boulderhalle nach dem Training kurz auf sein Handy guckte und über Instagram von der Athletencouch mit Glowacz las. „Ich habe mich spontan beworben, rechnete mir aber geringe Chancen aus, da ich weiß, dass Glowacz in Bayern zu Hause ist.“ Umso überraschter war der 24-jährige als er erfuhr, dass er tatsächlich gewonnen hat. „Wir waren hier ziemlich aus dem Häuschen. Mit Stefan Glowacz nimmt schließlich gleich eine wahre Kletterlegende auf unserer Couch Platz!“

Dass Jannik, obwohl er erst seit vier Jahren klettert, ziemlich passioniert bei der Sache und damit ein überaus würdiger Preisträger ist, sieht man sofort: Seine linke Wade ziert ein Tattoo, das einen Kletterer in der Felswand hängend zeigt. Am rechten Oberarm hat sich Jannik, „damit ich ihn nie vergesse“, einen Achterknoten stechen lassen. Dem Anlass gebührend trägt er ein T-Shirt, auf dem ein Klettercomic-Motiv von Eberhard „Erbse“ Köpf abgedruckt ist. Im Wohnzimmer hängen gerahmte Bilder an der Wand. Sie zeigen Jannik und Christina beim Klettern, auf Skitour, beim Bergsteigen, Wandern und im Urlaub. Eine Urkunde bestätigt eine erfolgreiche Großglockner-Besteigung. Auf der kleinen Terrasse arrangiert Freundin Christina noch schnell die Kaltgetränke, während Jannik im Hof seinen ganzen Stolz präsentiert: Einen weißen VW T5! Den Bulli hat sich Jannik selbst Camping-tauglich ausgebaut, weil er „das simple Leben und die Freiheit liebt“.


Bevor der „Star“ des Abends, trotz Expeditionsmodus ziemlich entspannt und bester Laune anrückt, bleibt etwas Zeit, um das nur fünf Autominuten entfernte Klettergebiet in Kottenheim aufzusuchen. Eingebettet in ein mystisches, schattenspendendes Waldgebiet verstecken sich in einem ehemaligen Basaltsteinbruch zahlreiche imposante Felsriegel und Pfeiler wie in einem märchenhaften Labyrinth. Hier und im benachbarten Ettringen bilden über 2500 Routen in den UIAA Schwierigkeitsgraden 5 bis 11 eines der größten Klettergebiete außerhalb der Alpen. Jannik und Freude sind in beiden Gebieten natürlich Stammgäste: „Riss- und Kantenklettern kann man bei uns bis dir die Finger bluten.“


Gegen 18.30 Uhr dann kommt Glowacz, der natürlich gleich zu Beginn mit vielen spannenden Fragen zur aktuellen Grönland-Expedition bombardiert wird und später bei einem Bier zu seiner anhaltend hohen Motivation befragt wird. Als Profisportler prägt Stefan Glowacz schließlich seit über 30 Jahren die Kletterszene und liebt seinen Sport ungebrochen bis heute über alles: „Mein Leben ist nach wie vor vom Klettern geprägt.“ Freilich, das gibt der Profi in intimer Runde zu, kann man in seinem Alter leistungsmäßig nicht mehr mit den aktuellen Spitzenleistungen im Klettersport mithalten: „Als ich 40 war, wollte ich das nicht wahrhaben und trainierte wie besessen dagegen an. Heute habe ich mein Alter akzeptiert und trainiere im weitesten Sinn leistungserhaltend.“ Dazu baue er auch Yoga-Sessions ein und gönnt seinem Körper nach harten Klettereien deutlich mehr Zeit für Regeneration als früher.

Bea will wissen, ob Glowacz auf langen Expeditionen Heimweh empfindet, ob er seine Drillinge aus erster Ehe, die längst erwachsen sind, vermisst und wie seine Ehefrau Tanja und er mit der räumlichen Trennung klarkommen. „Als die Kinder klein waren, war der Trennungsschmerz natürlich viel größer. Heute gehen wir als Familie ziemlich professionell mit dem Thema um. Klettern ist streng genommen ja auch mein Job. Tanja ist beruflich ebenfalls viel unterwegs und eine sehr selbständige, selbstbewusste Frau. Wir genießen die viele Zeit, die wir gemeinsam verbringen, intensiv und schenken uns andererseits viel Freiraum für unsere jeweiligen Aufgaben.“

Für uns als Zuhörer amüsant sind Glowaczs Ausführungen zur zu erwartenden Seekrankheit. Ab Schottland wird der Abenteurer in Kürze gemeinsam mit Skipper Wolf Kloss und seinen beiden Expeditionspartnern Thomas Ulrich und Philipp Hans an Bord der 12 Meter langen Stahlyacht „Santa Maria“ an die Westküste Grönlands segeln, ehe von dort aus das Inlandeis aus eigener Kraft durchquert und an eindrucksvollen Big Walls an der Ostküste geklettert wird: „Mir graut es jetzt schon vor der ewig langen Überfahrt. Ich spreche aus Erfahrung. 1999 segelten wir, ebenfalls mit Wolf Kloss, in die Antarktis. Eine Achterbahnfahrt ist nichts dagegen. Mir war tagelang speiübel!“ Akupressurbänder und reichlich Whisky gehen daher dieses Mal mit an Bord. Ob’s hilft, steht in den Sternen.


Interessiert fragen die Kletterer aus der Eifel u.a. auch nach Vorbildern, die Glowacz einst prägten. Die Antwort fällt blitzschnell und eindeutig aus: Wolfgang Güllich und Kurt Albert! Mit Albert verband Glowacz später sogar eine tiefe Freundschaft. Viele Expeditionen haben die beiden im Team gemeinsam unternommen. Mit dem tragischen Tod Kurt Alberts im Jahr 2010 hat Glowacz einen engen Freund und perfekten Kletterpartner verloren. Im Laufe der kurzweiligen Unterhaltung, in der sich Glowacz von einer sehr emotionalen, offenen und kumpelhaften Seite zeigt, stellt auch er Fragen an die Anwesenden. Wer sind ihre Vorbilder? Welche Projekte hat man vor? Wohin führen die jeweiligen Kletterreisen?

Natürlich spricht man auch über das finale Ziel der aktuellen Grönland-Expedition: Eine etwa 1300 Meter hohe Wand im Scoresbysund an der Küste Ostgrönlands hat Glowacz in den Bann gezogen. Dort will er gemeinsam mit Kletterpartner Philipp Hans aus Stuttgart als Höhepunkt der Expedition eine Erstbegehung realisieren. 10 Tage sind für die Realisierung vorgesehen. Warum sich Glowacz und Kollegen den Weg dorthin freiwillig so schwer machen, die Anreise per Elektroauto, Segelschiff und bei der Durchquerung des Inlandeises zu Fuß bzw. mit Snowkites antreten, will Jannik wissen: „Ihr erreicht die Wand doch dann völlig ausgepowert bzw. am Ende eurer Kräfte?“ Die Antwort klingt vorerst abgedroschen, aber nach sehr viel Abenteuer und einer gehörigen Portion Multitasking: „Weil tatsächlich der Weg das Ziel ist. Uns geht es nicht nur ums Klettern, sondern um das Gesamt-Erlebnis. Verschiedene sportliche Disziplinen – Segeln, Snowkiten, Skitourengehen, Klettern – auch unterschiedliche Transportmittel, zu einem großen Abenteuer zu verbinden, das ist es, worum es uns bei dieser Expedition geht.“

Simon wirft in die Runde, schon ungeduldig zu werden, wenn er einmal ein paar Tage keine Zeit fürs Klettern findet. Er fragt, wie sich Glowacz während des langen Segeltörns für die geplante Big-Wall-Kletterei klettertechnisch überhaupt fit halten kann? „Wir haben einige simple, aber effektive Trainingsgeräte dabei. Darunter auch eine Strickleiter, die ich sogar auf der Santa Maria zu Trainingszwecken irgendwo aufhängen kann.“

Gegen 23 Uhr taucht in Janniks Wohnzimmer sogar noch Stefans Expeditions-Kollege Philipp Hans auf, der Glowacz abholt, um den Weg Richtung Calais fortzusetzen. Der 24-jährige Stuttgarter ist wie sein Bruder Moritz (man kennt die Hans-Brüder vielleicht aus der RTL Show Ninja Warrior Germany) ein begnadeter Kletterer. Für ihn geht es zum ersten Mal auf eine Expedition: „Ich träumte ehrlich gesagt seit einigen Jahren davon, mit Stefan zusammen einmal aufbrechen zu dürfen und freue mich jetzt unheimlich auf alles, was mich die nächsten drei Monate erwartet.“


PS.: Die ersten 20 Minuten von insgesamt vier Stunden der GORE-TEX Athletencouch mit Stefan Glowacz und Jannik wurden von ALPIN-Redakteur Andreas Erkens moderiert und können nach wie vor auf der GORE-TEX Facebook-Seite abgerufen werden. Die Eventreihe „GORE-TEX #Athletecouch“ wird natürlich fortgesetzt. Freut euch auf einen außergewöhnlichen Abend im September 2018 mit dem Südtiroler Trailrunner Daniel Jung Mehr News dazu hier in Kürze.

Mehr zur GORE-TEX #Athletecouch mit Stefan Glowacz kannst du bei unserem Partner ALPIN hier nachlesen.