GORE-TEX Transalpine-Run – Etappe 4 & 5
Der GORE-TEX Transalpine-Run führt Trailrunner aus aller Welt in 2er-Teams über die Alpen, von Garmisch-Partenkirchen in Deutschland bis nach Brixen in Italien. Blogger Sebastian Huber sollte ursprünglich als Einzelstarter außerhalb der Wertung berichten – letztendlich läuft er nun im deutsch-chinesischen „Team Bingo“ als Teilnehmer durch die Berge. Hier sein Bericht von den Etappen 4 und 5.


Etappe 4

Um von Mandarfen im Pitztal nach Sölden ins Ötztal zu kommen, muss man mit dem Auto knappe 83 km einplanen, zu Fuß sind es auf der vierten Etappe des Transalpine-Run nur 27 km ... und 2.000 Höhenmeter ... und eine maximale Meereshöhe von knapp 3.000 m, die überschritten wird ... und ein Gletscher, der sich heimtückisch in den Weg legt.
Pic: Philipp Reiter
Pic: Philipp Reiter

All diese Faktoren machte die kürzeste Etappe des diesjährigen GORE-TEX Transalpine-Run keineswegs zur leichtesten.  Kalt begrüßte uns der Morgen auf 1.700 m in Mandarfen, die 600 Höhenmeter Anstieg zum Rifflsee führten aber in die Sonne und in den perfekten Lauftag: blauer Himmel, kaum Wind, strahlender Sonnenschein und unvergleichliche Landschaft zwischen den Gletscherriesen von Pitz- und Ötztal.
Pic: Harald Wisthaler
Pic: Harald Wisthaler

Wir umrundeten den See, gönnten uns den flowigsten Downhill der bisherigen Tage und sahen uns dann doch der unerbittlichen Realität gegenüber: 1.300 Höhenmeter Anstieg bis aufs Rettenbacher Jöchl oberhalb des Skigebiets von Sölden. Xiao Bin musste heute zwar keine seilversicherten Schwierigkeiten wie am Vortag meistern, dennoch war ihm das hochalpine Erlebnis etwas suspekt. Wie die Tage zuvor hatte ich im Aufstieg einen Vorsprung auf ihn herausgelaufen und wartete somit an der Braunschweiger Hütte. Etwas deplatziert war ich zwischen den Wanderern dann doch: Laufschuhe, kurze Hosen, T-Shirt und kleiner Rucksack zwischen Bergstiefeln, Trekkinghosen, Karohemden und 60L-Rucksäcken. Sei es aus Mitleid aufgrund meiner mageren Ausrüstung oder doch aus einer gewissen Bewunderung heraus, einer der älteren Herren ließ es sich nicht nehmen, sein Bier mit mir zu teilen, bis mein Partner aufgeschlossen hatte.
Team Bingo: Sebastian Huber und Laufpartner Xiao Bin
Team Bingo: Sebastian Huber und Laufpartner Xiao Bin
Beschwingt vom Gerstensaft (aber jeder Sportler weiß ja, wieviel wichtige Mineralstoffe und Vitamine hier enthalten sind) nahm ich mit Xiao Bin gemeinsam die letzten Meter bis auf knapp 3.000 m in Angriff, bevor der lange Downhill nach Sölden auf uns wartete. Ein Stück des Gletschers musste überquert werden, eine rutschige Angelegenheit, da die ausgelegten Matten der Bergwacht aufgrund des Neuschnees der letzten extrem rutschig waren. Am verlassenen Skistadion des Weltcup Openings vorbei ging es schließlich 1.400 HM hinab nach Sölden. 24°C, wir waren wieder im Sommer! Heute wegen morgen ausnahmsweise kein Après Ski, Etappe 5 würde uns übers Timmelsjoch nach Italien führen.


Nachtrag: Skibergsteiger und GORE® Athlet Greg Hill gab sich die Ehre, eine Etappe mit uns zu laufen – zumindest ein kleines Stück davon. Greg „I’m no Runner“ Hill leckte ziemlich schnell Blut und lief eine Zeit, die ihn (ohne spezielles Lauftraining wohlgemerkt) in den vorderen 20 % des Feldes platziert hätte! Greg, wir sehen uns 2017!


Etappe 5


Der letzte Morgen in Österreich brach an und schon bald fand sich eine ziemlich müde Gruppe bunt gekleideter Sportler in Sölden am Start ein und machte sich auf den Weg nach Italien. Endlich ein Streckenprofil, das uns als Team Bingo perfekt harmonieren ließ: nie zu steil für Xiao Bin, und auf den langen 21 km vom Timmelsjoch hinab nach St. Leonhard im Passeier auch nie so flach, dass ich dem Marathonläufer aus China nicht mehr hinterhergekommen wäre. Breit grinsend liefen wir die letzten Kilometer durch die Südtiroler Hochtäler, Wälder und Schluchten, bis wir bei sommerlichen 30° das Ziel erreichten.
Pic: Philipp Reiter
Pic: Philipp Reiter
Und auch wenn Platzierungen oder Zeiten bei der ersten Teilnahme an einem Etappenrennen Nebensache sein sollten, so sind wir im Moment doch recht stolz, im Gesamtranking 12 Plätze gutgemacht zu haben.
2 Tage noch, 70 km und knappe 4.400 HM liegen noch vor uns, doch ein Finish als Team wird mit jedem Kilometer Trail, den wir bewältigen, wahrscheinlicher!