Trailscout Wochenende 2: GORE-TEX Transalpine-Run
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Der GORE-TEX Transalpine-Run stand sowieso schon auf Sebastians Wunschliste, umso mehr freute er sich, das zweite Wochenende als Trailscout mit dabei zu sein.


Wer Trails läuft und die letzten Jahre nicht in einer Höhle verbracht hat, der kennt den GORE-TEX Transalpine-Run, immerhin laufen dieses Jahr bereits zum zwölften Mal hunderte Läufer aus aller Welt quer über die Alpen. Als vor knapp vier Wochen mein Handy klingelte, lag in diesem seltsamen Sommer noch Schnee auf den Bergen um Innsbruck, und wer es partout nicht lassen wollte, konnte in Tirol immer noch Skitouren gehen. Ob ich Anfang Juli nicht die 3. und 4. Etappe des TAR mit den anderen Trailscouts ablaufen wolle, fragte man mich. Da musste ich nicht lange überlegen: Klar, ich komme mit!

Vorbildlich und verantwortungsbewusst die Freisprechoption nutzend und beide Hände am Steuer hatte ich natürlich keinen Zugriff aufs Internet und erst zuhause wurde klar, welche Aufgabe ich mir da so spontan angelacht hatte: 48 Stunden, 75,2 Kilometer und über 5.000 Höhenmeter, von Imst über das Pitztal nach Sölden. Ultradistanz am ersten Tag, Gletscher und Bergankunft am zweiten – check! Klingt gut, klingt hart, muss man nicht machen, will ich aber.
Gepackt vom Transalpine-Run Fieber: Autor Sebastian. ©Reinhard Wohlfarter
Gepackt vom Transalpine-Run Fieber: Autor Sebastian. ©Reinhard Wohlfarter

Der Transalpine-Run stand nach diversen Ultras in den letzten Jahren sowieso auf meiner Wunschliste, da kommt die „Light"-Version mit zwei Etappen gerade recht! Mit Mirco Berner vom Siegerteam 2014 bin ich im selben Jahr mal aufs Zuckerhütl gelaufen, das war's dann aber auch schon wieder mit meinen Berührungspunkten zum Transalpine-Run. Ich war dieses Jahr zwar viel unterwegs, die richtig langen Dinger wie das Finish letztes Jahr beim Lavaredo Ultratrail (119 km/5850 hm) kann ich 2016 bisher noch nicht vorweisen. Wird schon klappen. In der letzten Juniwoche das übliche Spiel: noch zweimal locker laufen gehen, viel Pasta essen, Ausrüstung sortieren und bereitlegen und jedes mir bekannte Wetterportal regelmäßig abfragen. Nun, Sonnenbrand würde nicht das beherrschende Thema des Wochenendes werden, aber um meinen barockbleichen Teint muss ich mir keine großen Sorgen machen, mit Sommerbräune ist es bei mir eh nie weit her.

Ich schweife ab ... (Sonnencreme habe ich übrigens trotzdem eingepackt, wie auch eine ordentliche Kollektion meiner liebsten Energielieferanten – im Gegensatz zum echten Transalpine-Run im September würde es beim Trailscout-Wochenende nämlich keine Verpflegungsposten geben.) Resturlaub, der verbraucht werden muss, ist eine gute Sache: so konnte ich mir Donnerstag und Freitag noch freischaufeln und ein wenig „vorschlafen“, bevor es Samstag früh nach Imst ging. Von Innsbruck in einer knappen Stunde zu erreichen, konnte ich nach einem sehr frühen Frühstück am ersten Lauftag anreisen.

Tag 1: Imst - Pitztal

Am Treffpunkt kamen dann alle zusammen: Locals und „Flachländer“, Teilnehmer des TAR 2016 und Interessierte, die sich die Chance nicht nehmen lassen wollten, einfach mal so einen Ultra zu laufen. Gepäck in das Shuttle verfrachtet, Gruppenfoto geschossen, Schuhe geschnürt und schon ging es pünktlich um 8:30 Uhr bei Sonnenschein aus Imst heraus. Die ersten Kilometer waren perfekt zum warm werden: leicht bergab, bevor nach knapp fünf Kilometern der erste knackige Anstieg durch den Wald anstand. Steil, wurzelig, wie man’s eben haben will! Jeder Schritt eröffnete eine neue, noch schönere Aussicht auf die umliegende Bergwelt.

Und so sollte es weitergehen! Die Trails führten zunehmend in die Höhe, schneebedeckte Berge kamen ins Blickfeld, und der Untergrund wurde technischer, mehr Wurzeln, mehr Steine, alpines Trailrunning vom Feinsten! Die Wildspitze, Tirols höchster Berg, entzog sich leider unseren Blicken, als die angekündigten Wolken mit erfreulich großer Verspätung aufzogen. Und so sollten wir erst nach der Marathondistanz nass werden, als die meisten schon im finalen Downhill im Pitztal waren. Geschafft! Die längste Etappe des TAR lag hinter uns, die Duschen warteten und das EM-Viertelfinalspiel konnte jeder mit schweren Beinen sitzend oder im Bett liegend verfolgen. Mag sein, dass der eine oder andere aber auch nicht alles mehr mitbekam ...

Tag 2: Mandarfen - Sölden

Die Nacht hindurch prasselte draußen der Regen, doch am Morgen hatte sich das Wetter schon ziemlich beruhigt. Frische 8°C und nebelverhangene Berge ließen auf ein wahres Trailabenteuer hoffen. Es sollte weit hinaufgehen, bis auf 3.000 Meter, und so hatte jeder noch mindestens eine Extralage im Laufrucksack oder gleich am Körper. Um 8:30 Uhr ging es von der Rifflseebahn aus direkt steil zum Rifflsee, der sich anfangs noch zierte, aber bald aus dem Nebel auftauchte. Downhill zurück ins Pitztal und sanft ansteigend in den Anstieg zur Braunschweiger Hütte. Schon von weitem war der Wasserfall inklusive Regenbogen zu sehen. Ab hier wurde es wieder richtig fordernd: steil bergauf zu der auf 2.759 Meter gelegenen Hütte. Einige Passagen sind mit einem Seil gesichert, der Trail an sich ist aber selten wirklich ausgesetzt und sehr gut begehbar. Entgegenkommende riefen uns noch zu, dass oben die Sonne scheinen würde, was den letzten Schub garantierte – und tatsächlich standen wir auf der Terrasse der Hütte im strahlenden Sonnenschein!

Next Stop: Rettenbachferner, der Gletschern des Söldener Skigebiets. Wow, was für ein Anblick! Der Gletscher wurde spaltenfrei am Rand gequert, und über die Piste ging’s im Schnee bergab!

Weg vom Schnee fanden wir uns auf einem unglaublich flowigen Singletrail wieder, an den sich noch zwei knackige Anstiege anschließen sollten. Nachdem unser Höhenmeter-Soll aber endgültig erfüllt war, folgte das, was Teilnehmer Stefan als einen der genialsten Abschnitte bezeichnen würde: ein fast nicht enden wollender Singletrail-Downhill. Stefan weiter: „Was für eine grenzgeniale Etappe!“Freudestrahlend liefen wir beim Ziel in Sölden ein und fielen uns glücklich in die Arme. Eine wohltuende Dusche später ging's dann leider auch schon wieder nach Hause. Die Vorfreude auf den TAR hat sich durch die Einblicke in die Streckenführung auf jeden Fall nur vervielfacht!

Mit diesen Worten könnte man den Bericht vom zweiten Trailscouting-Wochenende eigentlich enden lassen – für mich geht’s jetzt erst richtig los: Ich bin infiziert, und wenn alles klappt, werde ich auch beim „echten“ Run dabei sein und als rennender Reporter (oder blasengeplagter Blogger?) von den einzelnen Etappen berichten. Tja, nun heißt’s trainieren – und wer noch keinen Startplatz hat, der sollte sich beeilen, wenn die übrigen Etappen ähnlich sind, dann wird der GORE-TEX Transalpine-Run 2016 eine epische Geschichte!