ABENTEUER NEU GEDACHT – MIT GREG HILL
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Ein Gespräch mit Profi-Skifahrer/Abenteurer Greg Hill über Abenteuer, Entdeckungen, Fitness und Familie. Hier erfahrt ihr, wie er Bestleistungen bringt.


Die Marke GORE-TEX traf kürzlich den Allround-Sportler und Profi-Bergsteiger Greg Hill, um mit ihm über geplante Abenteuer sowie seine Rolle als Vater zu sprechen – und wie unsere Leser sich selbst auf die Reise machen können! Hier seine Antworten:

 

Kannst du uns für die Leser, die deinen Lifestyle noch nicht kennen, ein wenig davon erzählen, was du so machst, seit wann du das tust und wie alles begann?

Irgendwann, im zweiten Jahr an der Uni, habe ich dem traditionellen Lebensstil den Rücken gekehrt und mich stattdessen auf Abenteuer und Entdeckungen eingelassen. Ich wusste damals schon, dass Erfahrungen das Leben mehr bereichern als Geld. In dieser Überzeugung lebe ich seit Mitte der 1990er Jahre. Meine Entdeckungen mache ich hauptsächlich auf Skitouren, bei denen ich seit Jahren meine eigenen körperlichen Grenzen durch Ausdauerleistungen und Erstabfahrten immer höher gesteckt habe.

Mein wichtigstes Ziel im Leben ist, immer besser zu werden und mich weiterzuentwickeln.

Ich lebe in Revelstoke, British Columbia, Kanada, weil es ein idyllisches Städtchen inmitten einer fantastischen Bergkulisse ist. Hier gibt es im Winter den besten Schnee und mehr sportliche Herausforderungen, als du in einem Leben meistern kannst.

Viele Menschen interessieren sich für meine Statistik als Outdoor-Sportler, von der ich jahrelang besessen war. Diese Zahlen waren ein Weg, meine Streben nach Weiterentwicklung zu messen, mich wissen zu lassen, dass ich besser wurde. Und sie gaben mir auch eine Richtung vor. Bei meinen Skitouren versuchte ich, richtig schnell zu werden, sodass ich ein guter Partner sein würde. Dann wurde mir klar, dass ich großartige Klettertage und viele tolle Abfahrten miteinander verbinden konnte. Das war der Punkt, an dem ich vollkommen abdrehte. Je mehr Höhenmeter, desto besser. Im Jahr 2005 arbeitete ich mich bei meinen Aufstiegen und Skiabfahrten von anfänglich 1.500 Höhenmetern pro Tag auf 3.000, dann 6.000, 9.000 und 12.000 auf die Rekordmarke von 15.000 Höhenmeter in 24 Stunden hoch.

Das war eine riesige Herausforderung und so lohnenswert … mich immer weiter nach oben zu arbeiten, bis ich meine persönliche Bestleistung erreicht hatte.

Während ich von meinem täglichen Potenzial besessen war, träumte ich von einer ganzjährigen Herausforderung. Und so fing ich 2010 an, beim Klettern und Skifahren die Marke von 600.000 Höhenmetern anzupeilen.

Siebenundsiebzig Gipfel später, am 30. Dezember, hatte ich dieses Ziel erreicht.

Danach habe ich mich einer Challenge über einen Monat, die ich „March Madness 2014“ nannte, gestellt. Jeden Tag musste ich mich in ein neues Gebiet wagen, und allein in diesem Monat überwand ich 100.000 Höhenmeter.

Da ich nur glücklich und zufrieden bin, wenn ich mich persönlich weiterentwickle, habe ich mich in andere Abenteuersportarten wie Geländeläufe, Bergsteigen und Radfahren gestürzt. Gerade erst letztes Wochenende habe ich meine Grenzen mit einer 23-Stunden-Mission von Auto zu Auto ausgetestet: sechs Gipfel bestiegen, bin 25 Kilometer gelaufen und mehr als 4.000 Höhenmeter geklettert.

Wir bestiegen unseren ersten Gipfel bei Mondlicht und kamen vom letzten im Alpenglühen herunter.

 

Du bist als einer der fittesten Athleten bezeichnet worden. Warum sind Fitness und Gesundheit in deinem Sport so wichtig und wie erhältst du sie dir im Alltag?

Fitness ist entscheidend für mein persönliches Glück. Ich liebe das Gefühl, frei durch den Wald laufen zu können, tief durchzuatmen beim Radfahren auf dem Trail oder vor Freude zu schreien, wenn ich einen Berggipfel erreicht habe. Nichts macht mich glücklicher.

Ich habe immer ein Ziel vor Augen, für das ich trainiere. So bleibe ich auch im Alltag motiviert, auf etwas Größeres hinzuarbeiten.

Du hast einen großartigen Instagram-Feed, der jeden ambitionierten Gipfelstürmer neidisch werden lässt. Kannst du uns drei oder vier deiner Lieblingsgipfel nennen? Was unterscheidet sie?

Schwierige Frage. Am Rogers Pass sitzt Sir Donald, der einen 1000 Meter hohen NW-Grat mit unglaublicher Quarzit-Kletterei hat. Aus der Ferne betrachtet sieht es unmöglich und beängstigend aus, wenn du dich aber auf den Weg machst und dort kletterst, ist es perfekt und die Gefahren sind überschaubar.

In Europa ist es kaum vorstellbar, den Mont Blanc nicht auf der Liste zu haben, so legendär und so schön, wie er ist. 2009 habe ich ihn an einem Tag bestiegen und bin dann mit Skiern abgefahren. Ich habe immer davon geträumt, einmal dorthin zurückzukehren.

 

Wer oder was hat deine Outdoor-Karriere am nachhaltigsten beeinflusst?

Ich würde sagen, jeder, der die Fähigkeit hat, sich selbst voranzutreiben. Alex Low hat mich in den 1990er Jahren stark beeinflusst. Seine Fähigkeit, beim Klettern, Skifahren und Bergsteigen über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen, hat mich einfach umgehauen. Ich habe erkannt, dass wir viel weiter gehen können, als wir tatsächlich glauben.

 

Wenn du es auf den Punkt bringen müsstest – was ist hier und heute das beste Element der Outdoor-Community?

Eine gemeinsame Leidenschaft zu teilen. Dank Social Media ist es heutzutage möglich, Erlebnisse unmittelbar zu teilen und andere dazu zu inspirieren, loszuziehen und eigene Erfahrungen zu machen.

2017 scheint genau richtig dafür zu sein! Kannst du etwas über deine neuesten Abenteuer und deine Mission, nachhaltige Methoden, Reisen und Gewohnheiten aufrechtzuerhalten, erzählen?

Die Natur inspiriert mich. Sie macht mich glücklich, in ihr halte ich mich am liebsten auf. Ich habe allerdings erkannt, dass die Art und Weise, wie ich lebe und wie ich an die Berge herangehe, tatsächlich das tötet, was ich am meisten liebe. Im letzten Sommer habe ich ein paar Berechnungen zum CO2-Fußabdruck angestellt. Sie haben mich erschreckt. Es machte mir Angst, dass ich meinen Kindern beibringe, dies sei die richtige Art zu leben, und dass ich andere inspiriere, auf ähnliche Weise zu leben.

Diese CO2-Tests haben mir gezeigt, dass meine Reisegewohnheiten außer Kontrolle geraten waren und dass ich nach Wegen suchen musste, Abenteuer in der Nähe und ohne Spritverschwendung zu erleben.

Ich wollte mich ändern, damit es dem Planeten Erde besser geht.

Im April war ich zu einer 10-tägigen Überquerung hier in der Gegend auf Skiern unterwegs. Danach sind wir per Anhalter zurück zum Ausgangspunkt und von dort nach Hause. Im Mai habe ich einen Nissan Leaf, ein Elektroauto, gemietet und bin die Westküste hinuntergefahren, um Vulkane zu besteigen und auf Skiern abzufahren. Wir sind 3.000 Meilen gereist, haben sechs große Vulkane erklommen, von Washington State bis Kalifornien, und das mit null Emissionen. In zwei Wochen kaufe ich mein eigenes Elektroauto und schlage ein Kapitel mit mehr routinemäßigen Elektro-Abenteuern auf.

Es hat sich allerdings auch gezeigt, dass eine meiner schlechtesten Angewohnheiten ist, Fleisch zu essen. Daher habe ich mir „vegetarische Werktage“ angewöhnt, ein Projekt, über das mein Bruder im TED talk gesprochen hat. Seit Januar habe ich fast ausschließlich nur an den Wochenenden Fleisch gegessen. Ich liebe Fleisch, und so ist es für mich wieder zu etwas Besonderem geworden. Und ich habe viele vegetarische Gerichte gegessen, die mich positiv überrascht haben.

 

Was wären beispielsweise nachhaltige Praktiken, die der durchschnittliche Freizeitsportler oder abenteuerlustige Familien am besten umsetzen können? Wo können unsere Leser selbst ansetzen?

Alles hängt davon ab, wo man lebt. Wie ich aber bereits erwähnt habe, ist es schon eine riesige Veränderung, weniger Fleisch zu essen und so lokal wie möglich einzukaufen. Und dann sollte man nach Abenteuern vor Ort und „Microadventures“ Ausschau halten. Es gibt so oft Ausflugsangebote gleich um die Ecke, die gerne übersehen werden.

 

Was darf in deinem Gepäck, ganz gleich bei welcher Exkursion, in nächster Zeit auf keinen Fall fehlen? Gibt es Kleidungsstücke oder Gadgets, die du immer mit dabei hast?

Must-haves hängen normalerweise von der Jahreszeit und der Art der Exkursion ab. Da wir Menschen aber keinen Pelz oder anderen Schutz vor den Elementen haben, ist eine Schicht GORE-TEX absolut unverzichtbar. Sie ist wie eine Rüstung, die dich schützt, wenn es hart auf hart kommt. An Sommertagen in den Bergen habe ich eine Arcteryx Norvan SL GORE-TEX mit dabei, eine superleichte, minimalistische Jacke, die erst bei Bedarf zum Vorschein kommt und mich dann perfekt vor einem Sommersturm schützt. Für den Winter habe ich viele unterschiedliche GORE-TEX Membranen, je nach Ausdauerleistung, die an dem Tag gerade gefordert ist.

Du bist Vater. Hat das deinen Blick, deine Herangehensweise oder deine Sichtweise im Hinblick auf Abenteuer und Risiko beeinflusst? Und wie teilst du deine Erlebnisse mit deiner Familie?

Vater zu sein, hat mir sehr viel bewusster gemacht, welche Folgen ein Fehler in den Bergen hat. Ich weiß aber auch, dass ich einen natürlichen Forscherdrang in mir habe, dass ich Grenzen immer weiter stecken muss und Abenteuer einfach brauche. Abenteuer bergen Risiken, ich muss einfach vorsichtig sein. Ich weiß, wie ich bin und dass ich nie ein toller Vater für meine Kinder sein kann, wenn ich nicht zufrieden mit mir selbst bin. Also bin ich weiter auf der Suche nach neuen Abenteuern, allerdings mit besonderer Vorsicht.

 

Wo können unsere Leser Tag für Tag etwas über deine Reisen erfahren?

Normalerweise läuft das bei mir über Instagram. Und sobald meine Elektro-Abenteuer im Sommer/Herbst richtig losgehen, werde ich auch eine Website haben. Mein Blog greghill.ca ist dagegen gerade etwas eingeschlafen.

 

Hast du zwei oder drei Ratschläge, die jeder draußen, ganz gleich, wo es hingeht, beherzigen sollte?

Die 3 Ps: partners, preparation, patience – also Partner, Vorbereitung und Geduld.

 

Zu guter Letzt: Wie verbringst du deine Zeit zwischen den Gipfeln? Was tust du, wenn du nicht gerade die Pisten eroberst? Wie stillst du deinen Hunger nach Adrenalin, dein Fernweh? Hast du andere Dinge, die dich fesseln, oder Hobbys?

Ich lese und relaxe gerne, ich denke, dass sich im Leben alles um die richtige Balance dreht. Und ich kann nicht die ganze Zeit durchstarten, ohne dazwischen zu regenerieren und aufzutanken. In diesem Sommer laufe ich viel, ich klettere und versuche, diese beiden Sportarten zu temporeichen Bergtouren in der Nähe meines Wohnorts zu kombinieren.