Lichtmalerei mit Lightmark: Wie, warum und was dann?
Manchmal entdeckt man in den ungewöhnlichsten Situationen eine neue Leidenschaft. Lies die Geschichte, wie das Fotografenduo von Lightmark auf einer Campingtour durch Norwegen die Liebe zur Lichtmalerei entdeckte.


Das deutsche Lichtmalerei-Duo Lightmark erzählt uns, wie ihre Leidenschaft für diese Fotokunst begann, wie man mit unsichtbarer Farbe malt und warum das Wetter für ihre Kunst so wichtig ist.

Cenci Goepel und Jens Warnecke von Lightmark reisten mit uns nach Island, um für unser #ThinkProject Lichtmalerei-Bilder aufzunehmen. Die Kampagne soll dazu ermutigen, eine neue Fertigkeit, ein neues Hobby oder Abenteuer auszuprobieren.

Können Sie uns zunächst erzählen, wie es kam, dass Sie mit der Lichtmalerei angefangen haben?

Jens: Zum ersten Mal hatten wir Ende der 1990er Jahre mit Lichtmalerei zu tun. Wir waren beim Zelten in Norwegen und haben uns nachts etwas gelangweilt. Das Mondlicht war jedoch sehr schön, sodass wir nach draußen sind und langzeitbelichtete Aufnahmen gemacht haben.

Wir haben angefangen, Lichter vor der Kamera hin- und herzubewegen, um ein paar grafisch interessante Lichtspuren zu kreieren. Danach haben wir unsere Namen geschrieben und da als es dann fast Silvester war, schrieben wir „Happy New Year“ – damit hat alles begonnen!

Was hatten Sie vor der Lichtmalerei mit Fotografie zu tun?

Jens: Ich stamme aus einer Familie von begeisterten Fotografen. Meine Schwester ist Fotografin und mein Vater war ein sehr leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Ich bin also damit aufgewachsen. Für mich ist die Fotografie eine sehr spannende Sache – eine Möglichkeit, seinen persönlichen Blick auf die Welt auszudrücken.

Cenci: Ich habe auch schon als Kind fotografiert, komme jedoch aus der Malerei. Ich wollte immer Malerin werden.
Jens Warnecke von Lightmark

Ist es für Sie ein Unterschied, die Welt durch die eigenen Augen oder durch eine Kameralinse zu betrachten?

Jens: Ich finde, dass es im Alltag so viele flüchtige Momente gibt. Die Fotografie erlaubt uns, all die Situationen, die wir erleben, zu greifen, sie festzuhalten und zu etwas Dauerhaftem zu machen.

Cenci: Lichtmalerei ist so etwas wie eine Einladung an den Betrachter, eine Landschaft mit anderen Augen zu sehen, aus einem neuen Blickwinkel.

Was empfinden Sie bei der Lichtmalerei als besonders schön?

Jens: Ich persönlich mag das Licht, das im Dunkeln zu sehen ist. Viele denken, dass es nichts zu sehen gibt, wenn es draußen dunkel ist, aber das stimmt nicht. Unsere Augen können im Dunkeln nicht allzu viele Einzelheiten einer Landschaft wahrnehmen. Wenn man ein Bild bei der Aufnahme aber sehr lange belichtet, dann sieht man eine Menge Licht. Oft ist das ein sehr bläuliches Licht – der Farbton ist sehr speziell und schaut ganz anders aus als das, was man tagsüber sieht.

Wie wichtig war Ihr malerisches Können für die Lichtmalerei?

Cenci: Für mich ist das Malen mit Licht dem Malen mit einem Bleistift oder Pinsel sehr ähnlich. Der Unterschied besteht darin, dass man nicht sieht, was man malt, weil es dunkel ist. Man muss sich vorstellen, was man tut. Aber sonst ist es gleich.

Wie geht das, mit unsichtbarer Farbe zu arbeiten?

Cenci: Wenn man etwas jeden Tag macht, dann wird es zur Normalität. Es spielt keine Rolle, ob man auf Papier oder in einem dreidimensionalen Raum malt – die Technik ist dieselbe.

Jens: Manchmal ist es schwer sich vorzustellen, wie das fertige Bild aussehen wird, denn was man im Dunkeln sieht, ist nur ein sich bewegender Lichtpunkt. Man hat eigentlich keine Ahnung, wo man zuletzt war oder was schon da ist. Manchmal ist es deshalb ziemlich überraschend, zu sehen, wie das fertige Foto ausschaut.
Cenci Goepel von Lightmark

Können Sie uns etwas darüber erzählen, wie ein Lichtmalerei-Bild entsteht?

Jens: Für uns ist die Aufnahme eines Fotos ein langer Prozess. Zunächst müssen wir die richtige Location finden. Normalerweise erkunden wir dafür die Orte, die wir interessant finden, zu Fuß. Wir sehen uns um und probieren tagsüber unterschiedliche Perspektiven aus. Wenn wir dabei etwas Vielversprechendes finden, dann kommen wir nachts wieder.

Wir stellen die Kamera auf und versuchen herauszufinden, welche Lichteffekte wir zum Bild hinzufügen können: Unsere Arbeit soll immer Bestandteil der vorhandenen Natur werden – wir wollen nicht gegen die Landschaft arbeiten.

Welche Lichtquellen verwenden Sie, um Flächen und Linien zu erzeugen?

Jens: Wir verwenden immer sehr einfache Dinge – keine farbigen oder blinkenden Lampen. Wir nehmen ganz normale Taschenlampen und Leuchtmittel, experimentieren damit und versuchen herauszufinden, wie das Licht im endgültigen Foto wirken wird.

Cenci: Wir verwenden diese einfachen Lampen, da wir mit wenig Ausrüstung unterwegs sein wollen, um alle Orte zu Fuß erreichen zu können. Wir wollen draußen schlafen und die Natur wirklich spüren – wenn man viel Ausrüstung dabei hat, muss man das Auto nehmen oder mit mehr Leuten unterwegs sein.

Haben Sie sich in diese entfernt gelegenen Landstriche verliebt?

Jens: Wir suchen stets nach wilden und unberührten Orten, in die der Mensch nicht eingegriffen hat. Uns ziehen urwüchsige Landschaften an, die über Jahre unverändert geblieben sind. Zudem suchen wir nach Landstrichen, in denen so gut wie kein künstliches Licht zu sehen ist. Wenn man sich in bewohnten Gebieten befindet, hat man eine Menge Licht von Autos, Häusern, Gebäuden und Flugzeugen.

Wie wichtig ist das Wetter bei der Lichtmalerei?

Jens: Das Wetter ist tendenziell ein sehr wichtiger Faktor in unseren Bildern. Für uns ist das Wetter nichts, wogegen wir anarbeiten; wir mögen es, wenn das Wetter im fertigen Bild seine Spuren hinterlässt. Deshalb versuchen wir nicht unbedingt zu vermeiden, dass Regentropfen oder Wind in den Bildern zu sehen sind. Wir mögen es, wenn die Auswirkungen des Wetters in den Fotos sichtbar sind.

Das zeigt sich auf ganz unterschiedliche Weise. Wenn es beispielsweise windig ist und die Wolken über den Himmel ziehen, dann wirkt das sehr schlierig und der Himmel erhält dadurch sehr viel Bewegung. Wenn es regnet, werden die Felsen nass und reflektieren Licht ganz anders.
Landschaft beim Lichtmalen in Island

Wie wichtig ist es, über die Umwelt zu sprechen?

Jens: Ich denke, es ist immer wichtig, die Auswirkungen von dem, was man tut, im Blick zu behalten. Wir wollen die Landschaft, in der wir uns befinden, nicht verschandeln. Wir versuchen, keine Spuren zu hinterlassen, sodass sie jeder, der nach uns kommt, noch genauso unberührt erkunden kann, wie wir sie vorgefunden haben. Manchmal gibt es die Versuchung, in ökologisch sensiblen Gegenden wie Nationalparks Aufnahmen zu machen. Aber das vermeiden wir eigentlich. Für uns sind das nicht die Orte, an denen wir arbeiten wollen. Für uns ist es wichtiger, die Natur unverändert zurückzulassen und sie nicht zu beeinträchtigen.

Hat dich das inspiriert? Mehr Infos findest du in unserer „Einführung in die Lichtmalerei“ und „Die besten Locations für Lichtmalerei“.

Im Rahmen des #ThinkProject bieten wir dir die Chance, zusammen mit einem Freund zum Lichtmalen nach Island zu reisen – alle Unkosten werden bezahlt! Um mitzumachen, sag uns einfach, warum du gewinnen solltest.

Möchtest du das Malen mit Licht einmal ausprobieren? Lasse es uns im nachfolgenden Kommentarfeld wissen. #ThinkProject