Knock-Out: Ist die Schneegrenze erreicht?

POW. Der Comic-Held schlägt zu. Er trifft den Bösewicht mit voller Wucht. Der Schurke geht zu Boden, KNÖRZ. PFLATSCH. Eine Staubwolke wirbelt auf. POW. Gewonnen. 

Es könnte auch Schnee sein, der da staubt. Der Gegner hieße nicht Kater Karlo, sondern Kohlendioxid. POW: Ein Wort wie ein Schlag und die Koseform von „Powder“. So nennen viele Skifahrer den bevorzugten Aggregatzustand ihres Lieblingselements. Sehr passend dazu steht das Akronym auch für die Klimaschutz-Organisation „Protect Our Winters“. 

Warme Winter: Total Uncool

Die Organisation Protect Our Winters (POW) hat sich dem Erhalt schneereicher Winter verschrieben. Viel Schnee im Winter, wollen wir das nicht alle? Unser Kollege Bodo Rauscher hat für sich erkannt, dass es höchste Zeit ist zu handeln, auch wenn man als Einzelner denkt, nicht wirklich etwas ausrichten zu können. Deshalb engagiert er sich privat seit geraumer Zeit für Protect Our Winters. Und brachte die Marke GORE-TEX mit POW zusammen, um gemeinsam den Kampf gegen den Klimawandel voranzubringen. Um was geht es dabei?

Bodo Rauscher: Der Klimawandel hat Auswirkungen auf sämtliche Weltregionen und betrifft alle Menschen heute – und die nachfolgenden Generationen noch viel dramatischer. Skifahren ist angesichts der massiven ökologischen, sozialen und auch ökonomischen Folgen nur eine Randnotiz. Falls die Erderwärmung nicht begrenzt werden kann, ist es eine Frage der Zeit, bis Wintersport Geschichte ist. Aber mit abstrakten Zukunftsszenarien können viele Menschen nichts anfangen; man kann sie jedoch zum Nachdenken bringen, indem man ihnen die konkreten Konsequenzen für ihre geliebten Hobbies aufzeigt: Auch sie erleben, dass die Winter wärmer werden, die Schneegrenze steigt, und die Schneedeckendauer sinkt. Viele Skigebiete sind akut vom Klimawandel bedroht. 

POW. Der Held geht zu Boden. Verloren. Keine Tiefschneewolke staubt. Soweit darf es nicht kommen.

Bodo Rauscher ist kein Held. Er geht nicht zu Boden, sondern täglich zur Arbeit bei der Marke GORE-TEX. Dort beschäftigt er sich mit innovativen Produkttechnologien, die dem Outdoor-Enthusiasten bestmöglichen Schutz und Komfort bieten sollen. „Wir testen bis ans Limit, damit die Nutzer an ihr persönliches herangehen können – wenn sie wollen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Dabei kommt ihm zugute, dass er – wie die meisten seiner Kollegen bei Gore – selbst leidenschaftlicher Berg- und Outdoorsportler ist.

Bodo Rauscher: Wir lieben die Natur, die Berge und den Schnee. Deshalb müssen wir uns überlegen, wie wir unsere Leidenschaften so ausleben, dass sie keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben. Jeder für sich, aber auch die Gesellschaft und die Industrie. Das Sustainability Framework von W. L. Gore & Associates widmet sich schwerpunktmäßig dem Kohlendioxid-Ausstoß und orientiert sich sich an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Deshalb musste ich auch bei meinen Kollegen nicht lange um Unterstützung werben. Die Ziele von POW decken sich mit unseren und denen unseres Arbeitgebers.

Am GORE-TEX Firmenstandort in Feldkirchen-Westerham (südöstlich von München) sind die Auswirkungen des Klimawandels festzustellen. Skilanglauf direkt vor der Haustür ist fast nicht mehr möglich und die Skitourensaison in den nahen Bayerischen Voralpen wird immer kürzer. 

Bodo Rauscher: Derartige Veränderung in relativ kurzer Zeit beobachtete auch Profi-Snowboarder Jeremy Jones in seiner Heimat USA und – als weitgereister Pro – rund um den Globus. Er spürte direkt die Auswirkungen des Klimawandels auf seinen Sport. Das brachte ihn dazu, 2007 die Organisation Protect Our Winters zu gründen. Der Name ist Programm: Wenn wir weiterhin Ski fahren wollen, brauchen wir Schnee. Schützen wir die Winter! Helfen wir mit, die globale Erwärmung zu begrenzen! Das Ziel von POW ist es, eine breite Bewegung im Kampf gegen den Klimawandel aufzubauen und leidenschaftliche Outdoorsportler zu wirksamen Klimaschützern zu machen. 

Vom Egoisten zum Klimaschützer – ist das so einfach? 

Bodo Rauscher: Jedem sollte klar sein, welche Auswirkungen das eigene Handeln auf das Klima hat. Gerade das Ski- und Snowboardfahren, das wie kaum eine andere Sportart von der Natur abhängt, verbraucht sehr viele Ressourcen. Neue Skigebiete, Verkehrswege und Parkplätze werden gebaut, Pisten künstlich beschneit und der Wintertourismus bringt viel Verkehr mit sich. Aber das muss nicht so sein. Und da heißt es eben manchmal, seine Komfortzone zu verlassen. 

Und was macht POW da konkret? 

Bodo Rauscher: POW leistet in vielen Ländern der Welt Aufklärungsarbeit in Sachen Klimawandel.  Aktionen für und mit der Bergsport-Gemeinschaft sollen helfen, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, primär die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius. Die Marke GORE-TEX unterstützt POW finanziell, um ihre Bildungs- und Aufklärungsarbeit weiter ausbauen zu können. Das Tolle an POW ist, dass es keine „Anti-Organisation“ ist, die sich nur „gegen“ etwas stellt, sondern Handlungs- und Lösungsmodelle für jeden aufzeigt. Denn es ist klar, dass wir die Pariser Klimaziele nicht GEGEN-, sondern nur MITeinander erreichen können. 

POW. Wow. Man muss vielleicht gar kein Held sein, um Gutes zu bewirken. Welche konkreten Aktionen wird es geben? 

Bodo Rauscher: Durch die Covid-19 Pandemie sind wir leider zu einem sehr situativen Handeln gezwungen. Ein Beispiel ist das POW Hot Planets/Cool Athletes Programm an Schulen, das momentan leider „auf Eis“ liegt. Hier leisten Profisportler authentische Aufklärungsarbeit, die von den Schülern sehr gut angenommen wird und wir hoffen, dass dies bald wieder möglich ist. Aber auch firmenintern vermitteln wir anschaulich „den neuen Weg“, indem wir Bergsportaktivitäten zusammen mit POW anbieten, die von der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, bewusster Ernährung bis zum umweltgerechteren Verhalten in der Natur geht. Jeder kann Teil der Lösung sein – jeden Tag.