Ein Hauch Gore, eine Prise Innovation und eine Nuance Kletterbegeisterung: Mehr von der OutDoor 2017
Es geht ums Gewinnen. Ums oben Ankommen. Ums cooler Sein. Ums leichter Sein. Ums besser Sein. Ums online Sein. Aber vor dem digitalen Auftritt stand die analoge Recherche und wir haben auf der Messe geschaut, geredet und geknipst. Hier der zweite Teil unserer Eindrücke von der OutDoor 2017 – wie immer mit einem Hauch Gore, einer Prise Innovation, einer Nuance Kletterbegeisterung und einem Schuss Ironie.


Es ist relativ ruhig am Parkplatz und im Eingangsbereich der Messe. Und das bleibt es bis zur legendären OutDoor-Party (sponsored by GORE-TEX) am vorletzten Messetag (wo es dann alles andere als ruhig ist). Wo sind denn alle hin? Das Gute daran ist: Man hat zum Messeauftakt am Sonntag mehr Platz auf den Fluren und kommt von einem Stand zum nächsten, ohne dauernd angerempelt zu werden. Nette Ganggespräche mit denen, die nicht daheim geblieben sind oder ihren Pfingsturlaub verlängert haben, verhelfen zu einem schnelleren Überblick, was man auf der Messe gesehen haben muss. Einiges davon findet man gleich im Foyer: Dort sind die diesjährigen Gewinner des OutDoor Industry Awards ausgestellt. Sehr angenehm (im Gegensatz zu manch anderen Awards, bei denen eigentlich alles prämiert wird, was nicht bei drei im Keller verschwindet): Es wurden nur 38 Produkte ausgezeichnet, die sehr kompakt präsentiert werden. Einige Trends lassen sich daran schon erkennen: „Light“ ist immer gut. „Öko“ ist auch immer gut.


Die Vergabe der Awards ist eine nette Show und alle feiern sich selbst. Jetzt hat auch dieser Blog ein tolles Foto von der Awardvergabe. Die Menschen, die für die interessanten, innovativen und ausgezeichneten Produkte verantwortlich sind, gehen hinter dem Hype und den Mobiltelefonen leider etwas unter.

Grip hat Hand und Fuß: Schuhe und Kletter(hand)schuhe

Deshalb wenden wir uns den Produkten zu: Überraschend stand ein Kletterschuh von Wild Country beim Award mit auf dem Podest. Wow. Dass eine Hardware-Schmiede (na gut, sie machen auch Klamotten) jetzt Kletterschuhe bringt, ist überraschend. Besohlt ist das Teil (Modellname: Meshuga) mit Gummi von Michelin. Auch das ist ein Trend seit einiger Zeit: dass sich Reifenhersteller um Schuhsohlen kümmern. Bei Adidas werden einige Modelle von Continental bereift, so auch die Terrex Kollektion mit der neuen GORE-TEX Surround® Technologie. Henrique Nigro, Product Manager bei den Herzogenaurachern, präsentiert das gute Stück und hat sichtlich Spaß (am Präsentieren ebenso wie am Produkt).

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Neues bei Kletterschuhen kommt von einer weiteren (einstig ausschließlichen) Hardware-Marke: Black Diamond stellt eine kleine, feine Kollektion vor. Der Schaft besteht aus laminierten Elementen und einem textilen Material, das für eine ordentliche Belüftung (und damit weniger Gestank) sorgen soll und im Gegensatz zu Leder auch waschbar ist. Hurra, endlich weniger Mief! An den haben sich die User von 5.10 Schuhen (sprich: Five Ten) längst gewöhnt. Ob es diesbezüglich Neues gibt, konnte ich nicht olfaktorisch verifizieren. Aber optisch stachen die Modelle der Einsteigerklasse heraus. Hardcore-Boulderlegende Fred Nicole liebt (außer Mary) wahrscheinlich eher die High-End Waffen von 5.10, die nach wie vor mit pantherschwarzem Stealth Rubber am Fels kleben.

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In schönen Rissen ist man froh, auch am Handrücken etwas Gummi zwischen sich und das Gestein zu bringen. Outdoor Research (OR) hat schon einige legendäre Produkte im Portfolio, z.B. die GORE-TEX Gaiters, heuer auch im angesagten Retro-Look (oder lagen die einfach noch seit den Achtzigern im Keller?). Mit den Splitter Gloves von OR klemmt es sich gleich nochmal so gut.


Edelrid, ebenfalls eine Kletterhartwarenfirma, lässt das mit den Kletterschuhen dafür künftig sein. Stattdessen haben die Allgäuer Red Chili übernommen, die Marke von GORE-TEX Markenbotschafter Stefan Glowacz.
Apropos GORE-TEX: Am Stand präsentiere sich Gore luftig, locker und bequem. Das lockte – neben Geschäftspartnern und wichtigen VIPs – auch Freunde und Unbekannte zum Stand, wo man sich in gemütlicher Atmosphäre unterhalten konnte. Denis Wischniewski vom Trail Magazin gehört zu den Freunden. Er läuft, es läuft.

Oberflächlich läuft auf den Messen und im ‚Bizniz‘ immer alles super, eh klar. Damit das so ist, muss es allerdings auch im Hintergrund stimmen. Deshalb habe ich neben dem schönen Schein außen auch ins Backoffice geschaut und dort ordentliche Kabel und Bier (und Kinder Schokobons) entdeckt. Hinten ist also alles ok, und so klappt das dann auch vordergründig.


Dort (also auf der Ausstellungsfläche und bei den Markenpartnern) gab es von Gore allerhand zu sehen: Ganz aktuell baut Gore mit der neuen Färbetechnologie „Solution Dyeing“ das Engagement in Sachen Nachhaltigkeit aus. Durch recycelte Oberstoffe und das neue Färbeverfahren können Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß bei der Herstellung von Funktionsstoffen um bis zu 60 Prozent reduziert werden. Ein Produktvorteil ist außerdem die verbesserte Farbechtheit der Textilien. Das Highlight im Bekleidungsbereich ist die neue Generation der GORE-TEX Active Laminate. Mountain Equipment zeigte eine Jacke aus einem extrem dünnen, angenehm weichen Stöffchen. Understatement, grau, stylisch. Das Gegenteil, aber nicht weniger schön bei Haglöfs: Knallig gelb stellt das Teil bei schlechtem Wetter jeden Fotografen zufrieden.


Ein wesentliches Element, damit eine Jacke auch als Jacke funktioniert, sind die Reißverschlüsse. Wie wichtig diese sind, fällt den meisten erst auf, wenn es nicht mehr zzzzippt, sondern ratsch macht. Deshalb finden sich in qualitativ hochwertigen Produkten meist Zipper von YKK. Die Dinger haben unsere Wertschätzung verdient! Auch andere vermeintliche Kleinigkeiten machen Freude: Die Luci von mpowerd spendet Licht, schwimmt, hat Solarzellen, die den integrierten Akku wieder aufladen, und sie ist je nach Gusto farbig, weiß, hell oder stimmungsvoll. Luci soll bis zu 18 Stunden leuchten.


Auf der Messe gehen hingegen nach vier Tagen die Lichter aus. Das ist auch gut so, denn wie es sich herausgestellt hat, waren insgesamt wohl doch wieder fast so viele Leute auf der OutDoor-Show wie im letzten Jahr. Und irgendwann reicht's dann eben doch wieder.