Outdoor Messe 2017: Trend? Welcher Trend?
Gerade noch im Pfingsturlaub und schon auf der Outdoor-Messe am Bodensee – das passt zusammen: Urlaub und Arbeit, Berge und (Schwäbisches) Meer, drinnen und draußen. Wir haben geschaut, welche Trends die Messe setzt, und haben uns vor allem selbst ein Bild davon gemacht – mit dem Blick durch die Gore-Brille, aber auch mit dem Blick des Kletterers und Draußenschläfers!


Nanu, es ist Mitte Juni, die ISPO knapp verdaut, die Skikanten sind noch nicht mal angerostet und schon wieder befinden wir uns in stickigen Messehallen, um zigtausende Neuheiten und Pseudoinnovationen zu begutachten?

Zunächst mal: Alles ist gut. Viele jammern über den frühen Messetermin, aber irgendwer jammert ja immer. Vielleicht lag's auch daran, dass das Wetter eigentlich viel zu gut war, um es nicht sportlich bergig oder auf dem Wasser auszunutzen. Wenn das Wetter aber schlecht wäre, würde auch gejammert. Also freuen wir uns, dass es gut ist (draußen) und dass die Klimaanlagen ganz nachhaltig arbeiten, um die Messebesucher bis zur Erkältungsgrenze runterzukühlen (drinnen).

Trends und Mainstream, Hype und Normalbetrieb

Die Messe ist immer ein hervorragende Gelegenheit, nicht nur Produkte zu sehen, sondern um alte Bekannte, neue Freunde und solche, die es nie werden, zu treffen. Über manche freut man sich, so wie über Ralf Dujmovits, dem ich am Stand von Schlafsackspezialist Valandré begegnet bin. Bei einer Sommermesse ließe mich normalerweise alleine der Anblick von kubikmeterweise Daune in Schweiß ausbrechen und ich würde zielstrebig am Valandré-Stand vorbeihasten. Aber dank der Klimaanlagen entdecke ich Ralf. Er war erst neulich am Mount Everest, dort braucht man die fetten Daunentüten. Leider war ihm kein Gipfelerfolg beschieden. Aber er ist gesund zurück, das ist Freude genug.


Hardcore-Outdoorprodukte wie Schlafsäcke werden nicht als Trendthema eingeordnet. Obwohl es auch in dieser Produktkategorie immer wieder Neues gibt, spielt die Outdoor-Musik woanders, und es scheint vor allem Volksmusik zu sein: Produkte für Jedermann und jede Frau, für die Glamper*, Vollbartträger und Walden**-Leser ebenso wie für Hundegassigeher, Gelegenheits-SUP-Kapitäne und Dauer-SUV-Fahrer.

Tretwerkzeug, Lifestyle Element, Sportgerät, Federgewicht

„Outdoor-Schuhe haben beim Verbraucher einen tadellosen Ruf, sowohl bei der Verarbeitungsqualität als auch bei Passform sowie der Langlebigkeit. Auf der OutDoor sind Schuhe ein klares Wohlfühlthema.“ Soweit die Einschätzung der Presseabteilung der Outdoor Messe in Friedrichshafen.
Wenn man bei den Herstellern reinschaut, ist das Thema Schuhe in der Tat ein großes. Und vor allem breites: Von Barfußschuhen über Sandalen, Wander- und Multifunktionsschuhe bis zum Alpinstiefel ist alles dabei. Wobei der Spitze (also den Alpinstiefeln) deutlich weniger Raum gegeben wird als dem normalen Wanderbereich. An des Berges Spitze ist es eben eng und wenig los (Ausnahme: Mont Blanc, Everest, Matterhorn, Zugspitze), während in den Mittel- und Tieflagen mehr Platz ist.


Trotzdem kann es auf dem Weg nach oben eng werden und so tun die Hersteller alles, um sich abzuheben. Tecnica – bekannt vor allem im Skibereich – ermöglicht beim Modell Forge eine individuelle thermische Anpassung an den Fuß. Vom Skischuh her kennt man das. Dass da bei Wanderschuhen noch keiner drauf gekommen ist?
Eher traditionell, aber das im besten Sinne, macht Asolo seine Schuhe. Den sympathischen Familienbetrieb gibt es schon eine halbe Ewigkeit, aber Asolo Schuhe waren bislang in Deutschland kaum erhältlich. Das dürfte sich bald ändern und dann können sich Alpinisten und Kinder über schöne, solide und handwerklich gut gemachte Berg- und Outdoorschuhe freuen.

Trail, Weg und Strecke sind nicht dasselbe

Ein Megatrend derzeit ist das Trailrunning bzw. Running allgemein (die Kategorien fließen zunehmend ineinander): Einerseits geht es ultrasportlich zu mit zig Marathondistanzen über viele Tage am Stück oder Ultraläufen über 100 Kilometer, andererseits hört man von „Fastpacking“, „Fast & Light“ oder „Speedhiking“ (wobei diese Wortschöpfung schon wieder out ist und sich dem „Nordic Walking“ annähert...). Kurz: Leichtes Schuhwerk, mit dem man auch auf Feldwegen zurechtkommt, auch, wenn man etwas schneller geht als auf der Kö. Dieser Produktbereich bildet quasi einen Gegensatz zum (ebenfalls boomenden) erdigen Vintage-Trend, der sich in möglichst unfunktionellen, schweren, karierten und gusseisernen Produkten Bahn durch's Unterholz bricht.


In einem speziellen „Running-Center“ präsentierten sich auf der Outdoor Messe erstmals verschiedene Hersteller und Medien zusammen und bereiteten das Thema mit Vorträgen und Diskussionen auf. Salming hat erst vor kurzem den Runningbereich für sich entdeckt. Eigentlich sind die Schweden im Hallenboden verwurzelt. Wasserdicht steht für Salming auch draußen nicht im Vordergrund, sie promoten dafür den Grip ihrer Schuhe. Anders ziehen es Arc'teryx und Merrell auf, welche die derzeit innovativste Schaft-Technologie verarbeiten: Mit GORE-TEX Invisible Fit werden Performance Laufschuhe absolut wetterfest, behalten aber ihre volle Lauf-Performance, das heißt: kein zusätzliches Gewicht, keine potenziell problematische Faltenbildung, kein zusätzlicher Raum zwischen Fuß und Außenmaterial. Das Verfahren ist ziemlich aufwändig, es müssen alle Features bereits vor dem Zuschnitt mit dem Ursprungs-Laminat verbunden werden. Dafür bieten diese nagelneuen Laufschuhe einen echten Mehrwert, wenn man bei allen (Wetter-)Verhältnissen trainiert.

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Der Trend zur Natur bringt den Trend zur Umwelt mit sich

Wie umweltfreundlich sind meine Produkte? Was können wir tun, um möglichst nachhaltig zu handeln? Diese Fragen spielen eine immer größere Rolle bei den Produktentwicklungen und dem Kaufverhalten der Kunden. Die Outdoor-Branche ist industrieweit ein Vorreiter in diesem Bereich. Statt schnelle Antworten zu geben, arbeitet die Branche intensiv an zukunftsfähigen Lösungen. In Workshops kommen verschiedene Ansichten und Ansätze zusammen. Gore als einer der Marktführer nimmt hier eine prominente Stellung ein: Das Unternehmen war mithin das erste, das schon vor Jahren einen ganzheitlichen Ansatz hatte und mittels eines Lifecycle-Assessments die Ökobilanz erforscht und veröffentlicht hat. Neben Herstellern, die sich dezidiert umweltfreundliches Handeln auf die Fahnen geschrieben haben wie Patagonia, tragen auch kleine Helferlein wie Fibertec und andere Hersteller von Wasch- und Imprägniermitteln viel dazu bei, dass Produkte möglichst umweltfreundlich sind – und zwar auf die Art und Weise, wie sie vom Endverbraucher genutzt, gewaschen und gepflegt werden. Neben den sehr wirksamen, aber dafür leider weniger umweltfreundlichen Mitteln gibt es ökologische Alternativen.

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* Glamping = glamouröses Camping
** Zeitschrift für Glamper (allerdings ohne Glamour) und Vollbartträger