Premiere der GORE-TEX Athletencouch: David Lama in München
Auftakt nach Maß: Maximilian Haslbeck und Studienkollege Andy Schmidt haben im Rahmen der Eventreihe GORE-TEX Athletencouch einen privaten Abend mit David Lama in ihrem Wohnzimmer gewonnen. Johanna Stöckl war als Zaungast bei der gelungenen Kick-off Veranstaltung in München dabei.


Als Max und Andy über einen Kumpel aus Österreich von der GORE-TEX Athletencouch mit David Lama erfuhren, zögerten die beiden studierten Informatiker, die sich im Münchner Norden eine Wohnung teilen, nicht lange und machten sich an die Bewerbung. Das Thema der Veranstaltung nahmen die passionierten Freizeitkletterer wörtlich und schickten einen überzeugenden Bewerbungstext samt Foto, das die beiden in ihrem Münchner Wohnzimmer auf ihrem braunen Ledersofa sitzend zeigt. Auf dem leeren Platz zwischen den beiden 28-Jährigen könnte David liebend gerne einmal Platz nehmen. Außerdem: „Die Raufasertapete hinter uns wartet auch noch auf ihren first ascent.“

„Hätte mir vor ein paar Wochen einer gesagt, dass in unserem Wohnzimmer einmal David Lama hocken würde“, sagt Max kurz vor Beginn der Veranstaltung, „hätte ich denjenigen für verrückt erklärt.“


Auch für mich ist es ungewöhnlich, David Lama in einem derart intimen Rahmen zu erleben – bei wildfremden Menschen in der Wohnung. Obwohl ich den Alpin-Allrounder aus Innsbruck schon lange in den Medien verfolge und im Rahmen meiner Arbeit bereits mehrmals zu einem Interview getroffen habe, ist das Treffen heute ein besonderes.

Nach und nach trudeln die 10 geladenen Freunde, die den Abend mit den beiden Preisträgern teilen dürfen, ein. Man kennt sich vom Klettern und Skitourengehen. Dass Max und Andy würdige Gewinner sind, sieht man schon im Eingang. Outdoorjacken hängen an der Garderobe. Sportschuhe liegen im Flur und auf dem Balkon stapelt sich das Bier in Kisten. Im Wohnzimmer sind anstelle von Bildern Gitarren, Eisgeräte und ein Kletterseil an der Wand angebracht. Ein Paar Tourenski lehnt in der Ecke.


Punkt 18.30 Uhr steht David Lama in der Tür und zieht erst einmal unaufgefordert die Schuhe aus. Dann gibt der 27-Jährige jedem Anwesenden freundlich lächelnd die Hand und stellt sich einzeln vor, was freilich überflüssig, aber sehr charmant ist und von guter Kinderstube zeugt: „Servus, i bin da David.“ Natürlich ist die Atmosphäre von vorneherein kommunikativer, lässiger und damit auch viel intimer als in einem großen Vortragssaal, wo man sein Idol vielleicht ja auch schon mal live erlebt hat und hinterher im Idealfall ein paar Worte mit ihm wechseln konnte. Während David neben Max und Andy auf dem Sofa Platz nimmt, verteilen sich die Gäste im Halbkreis auf Stühlen und Hockern, manche machen es sich – ein Bier in der Hand – auf dem Fußboden bequem. Und schon geht es munter los. Eine Frage jagt die nächste. Und David gibt eifrig Auskunft. Sagt ihm eine Frage besonders zu, fällt die Antwort detailliert und umfangreich aus.


Anders als bei PR-Events und Presseveranstaltungen ist dies hier aber keine Talkrunde im Stile einer Pressekonferenz. Das beginnt schon alleine bei der Sprache. Man muss in einem bayerischen Wohnzimmer nicht förmlich Hochdeutsch sprechen. Davids Tiroler Dialekt versteht in München jeder, was die ohnehin schon zwanglose Atmosphäre noch lockerer und interessanter macht.

Außerdem begegnet David den Anwesenden, nicht etwa wie ein Idol seinen Fans, sondern auf Augenhöhe: kommunikativ, offen und interessiert. Nicht selten stellt auch er Fragen. „Wer von euch hat schon mal eine Erstbegehung realisiert?“ Oder „Wann habt ihr das letzte Mal einen Lawinenkurs besucht? Er gibt aber auch Tipps, wenn man ihn nach empfehlenswerten Klettergebieten für Hobbykraxler, nach Trainingsmethoden etc. fragt.


Max und Andy haben sich wie alle hier im Raum auf den hohen Besuch aus Innsbruck vorbereitet. Und das heißt ganz profan: Das Wohnzimmer wurde schnell noch einmal durchgesaugt und aufgeräumt. Einige haben ganz offensichtlich die News auf Davids Webseite eingehend studiert. Die meisten hier verfolgen seine Aktivitäten ohnehin schon seit vielen Jahren über Social Media und wissen ziemlich genau Bescheid: über gescheiterte Projekte, Visionen, Vorhaben und Expeditionen.

Lama erzählt u.a. spannende Details von seinem jüngsten Erfolg, der Erstbegehung der Sagzahn-Verschneidung im Valsertal, die er nach vier Anläufen gemeinsam mit einem Schulfreund erst kürzlich realisiert hat. Später spricht er wohlüberlegt von großen alpinistischen Herausforderungen, denen er sich bereits – ohne finalen Erfolg – gestellt hat. Große, richtig anspruchsvolle Wände reizen ihn. „Touren des Jahrhunderts“ wird er sie im Laufe des Abends einmal nennen. Die Besteigung der Nord-Ost-Wand am Masherbrum ist so ein Traumprojekt. Ebenso stehen der 6.905 Meter hohe, noch unbestiegene Lunag Ri in Nepal und die bisher ungekletterte Süd-Ost-Kante der Annapurna III nach wie vor auf Lamas To-do-Liste. Trotz gescheiterter Versuche. Er wird weitere Anläufe starten.


Auch Risiko und seine Minimierung ist ein großes Thema. Man spricht über Sponsoren und Verpflichtungen ihnen gegenüber, Kollegen aus der Kletterzunft, über andere Alpinisten, Speedbegehungen, Training, perfekte Teamgröße für eine Expedition, über Filmproduktionen, Lawinenkurse, Social Media, Produktentwicklung, Hallenklettern, Olympia, Eltern, Freunde, Bergpartner ... und natürlich über seinen großen Wurf am Cerro Torre, der sein Leben stark geprägt und bis zu einem gewissen Grad sogar verändert hat. Seither kennt man den sympathischen Tiroler auch außerhalb der Kletter- und Bergsteigerszene als einen außergewöhnlichen Alpinisten. Beim Thema Angst unterscheidet Lama ganz präzise zwischen Respekt, Angst bzw. Panik und erklärt an Hand von Beispielen, was es damit auf sich hat. Wie er, wenn es darauf ankommt, sein Bewusstsein schärft bzw. wie es ihm gelingt, sich gerade in brenzligen Situationen auf produktives Denken zu fokussieren. Außerdem erfährt man, dass der Tiroler kein Freund von Alternativen ist: „Ich bin kein Fan von Plan B und widme mich lieber mit voller Kraft Plan A.“ Man verzettle sich sonst nur.


Was für mich und jeden Anwesenden natürlich toll ist: David gibt einem das Gefühl, dass ihm der Plauder-Abend selbst gefällt: „Ich bleibe solange, bis ihr keine Fragen mehr habt.“ Das muss man sich einmal vorstellen: Ganze drei Stunden nimmt sich David Lama Zeit, ehe er gegen 22 Uhr die Heimfahrt nach Innsbruck antritt. Davor muss er natürlich noch für diverse Selfies herhalten und Bilder bzw. Magazine, in denen er abgebildet ist, signieren. Und natürlich verewigt sich der Kletterstar final auch auf der „Wall of Fame“ im Flur.


PS.: Die Eventreihe „GORE-TEX Athletencouch“ wird natürlich fortgesetzt. Freut euch auf einen außergewöhnlichen Abend mit Tamara Lunger bzw. Stefan Glowacz. Mehr News dazu in Kürze.