Premiere der European Outdoor Film Tour 2017/18: Neuland betreten
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The Show must go on: In der BMW-Welt München gab sich am 5. Oktober die Outdoor-Szene die Ehre, den Start der aktuellen European Outdoor Film Tour zu feiern. Eis und Dschungel, Schnee und Staub: Das Premierenpublikum durfte als Vorgeschmack fünf ausgewählte Filme genießen – und wie immer war es überaus inspirierend, den sehr unterschiedlichen Protagonisten auf ihren Abenteuern zu folgen.


Im Foyer präsentieren sich die Partner der EOFT: Mammut gewandet Schaufensterpuppen in die aktuelle Extreme Kollektion und versucht die Lust auf Outdoor-Abenteuer durch eine Virtual Reality Brille anzufachen. GORE-TEX® als EOFT-Partner der ersten Stunde stellt die aktuelle ShakedryTM Technologie aus. Eine Jacke wurde komplett in einen riesigen Eisblock eingefroren, der in der Abwärme von rund 700 Premierenbesuchern fröhlich vor sich hinschmilzt. Hugo und Paulaner sorgen für gute Laune, Gröstel und Kaiserschmarrn machen satt.

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Unter den Gästen ist einige Prominenz vertreten. Stefan Glowacz hat als GORE-TEX® Athlet und BMW Markenbotschafter quasi Heimspiel. Simone Moro ist das diesjährige Gesicht der EOFT und in Persona anwesend und auch weitere Hauptdarsteller der heute gezeigten Filme sind zur Premiere nach München gekommen. Die Zutaten für einen inspirierenden Start in die Film- und Vortragssaison 2017/18 sind also vorhanden.

Dabei betritt die EOFT Neuland: In 15 Ländern macht sie heuer Station und reist sogar in die Türkei und nach Australien! Neuland betreten, das ist auch das zentrale Thema vieler EOFT-Filme. Als Erster oben stehen oder runterfahren, manchmal Historisches leisten zu wollen, das treibt Pioniere an. Wie Simone Moro, der vier 8000er als Erster im Winter bestiegen hat. Historisch. Oder die Crew mit ihren Kajaks in Grönland. Nicht historisch, aber Neuland und sicher mit lang anhaltender Wirkung. Oder die Freerider, die sich steilste Wände runterhauen: als Neuland unbedeutend und schnell wieder vergessen, aber überaus ästhetisch, sportlich und waghalsig. Doch Abenteuer sind nicht nur Pioniertaten und hinterlassen nicht immer Spuren im Schnee oder in der Menschheitsgeschichte. Sie können auch leise und still Spuren in Menschen hinterlassen.

Glück und Glücksgefühle statt Scheitern und Tod

Während im letzten Jahr die meisten Protagonisten in ihrem Filmen irgendwie gescheitert sind (und darüber nicht besonders glücklich oder sogar tot waren), ist der Tenor diesmal ein insgesamt sehr positiver.

Es geht mit Kajak und Kite über Grönlands Eis auf der Suche nach fahrbarem Wildwasser, mit dem Einbaum durch den Dschungel Ecuadors, mit Skiern knallharte Lines im Kaukasus hinab und supersteile Geröllrinnen runter per Bike: Die Filme zelebrieren mal ruhiger („Dug Out“) oder lauter („Follow the Fraser“) das Erlebnis an sich, ohne extrem heroisierend rüberzukommen. Aber klar, in amerikanischen Filmen schwingt immer etwas mehr Pathos und Heldentum mit als in den meisten europäischen Produktionen.

Im ersten Film des Abends „Into Twin Galaxies“ ist ein bisschen Heldengedöns angesichts der beeindruckenden Story eher Understatement: Ben, Sarah und Erik ziehen eine Expedition ab, die ihresgleichen sucht – eine visionäre Idee und eine Reise voller Härte, Kälte, Verletzungen, Entbehrung, Leistung. Ein kurzer Moment gegen Ende des Films drückt alles aus, was Menschen bewegt, die etwas derartiges suchen und machen: Das Glück spricht aus Eriks Augen nach der Befahrung eines gigantischen Wasserfalls liefert alle Antworten.

Man muss schon ein Supercrack und Sportmonster sein, um Expeditionen mit solcher Wucht durchzuführen. Muss man? Alle, die nach solchen Filmen die Krise kriegen und ihr eigenes Couchpotato-Dasein selbstbemitleiden, können sich vom Streifen „Dug Out“ inspirieren lassen: Die seltsamen Engländer Benjamin und James sind nicht die Obersportler. Aber auch sie sind auf dem Wasser unterwegs – nur viel leiser. Ihre Reise beginnt bei Menschen mitten im Dschungel von Ecuador. Etliche Wochen leben sie bei einer Familie vom Stamme der Huaorani. Sie bauen sich einen Einbaum und fahren damit den Napo hinunter. Ein Abenteuer der anderen Art.

Runter rockt

Was haben der Berg Ushba und der Fraser River gemein? Nix. Außer, dass ihre Namen für zwei Filme herhalten mussten, sie aber in den Filmen nur Statisten am Rande sind. Weil, wenn es ums Runterfahren geht (Ushba = Ski, Fraser = Bike), bleibt für das Drumherum nicht mehr viel übrig. Schade für den Berg und die Landschaft, egal für die Rider und trotzdem beeindruckend für die Zuschauer. Was Samuel Anthamatten, Léo Slemett und Markus Eder auf Skiern abziehen, rockt gewaltig. Unterstützt werden die Bilder bei der EOFT-Premiere von Livemusik. Das Gesamtergebnis ist mega. Die Profimusiker (u.a. von den Bananafishbones) erhalten zu Recht mindestens die Hälfte der Aufmerksamkeit, die den Bildern dann aber leider abgeht. Good News für die Zuschauer der regulären EOFT-Vorstellungen: Die Liveband ist nicht dabei, man kann sich also voll auf die Bilder konzentrieren. Es rockt trotzdem!

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Die Downhiller in Kanada unternehmen einen Roadtrip entlang des Fraser, auf der Suche nach fahrbarem Terrain. Aber was heißt schon fahren? Schlittern, Sliden, Fliegen trifft es besser. Rockt auch!

Bei der Premiere werden zwei Filme nicht gezeigt, die im ansonsten rund zweistündigen Programm der EOFT 2017/18 dabei sind: „Choices“, ein Kletterfilm mit Steph Davis (alleine deshalb bestimmt sehenswert) und „Ice Call“, ein Freeride-Film mit ziemlich viel Eisanteil und ich vermute, mit vielen bis dato nie gesehener Skiaction. Den Abschluss bei der Premiere macht ein Bergfilm. Oder besser: Ein Film über Bergsteiger.

Zum Abschluss doch ein bisschen Scheitern – aber mit Humor und Tiefgang

Der Italiener Simone Moro hat vier Wintererstbesteigungen von 8000er als Referenz im Gepäck. 2016 erreichte er den Gipfel des Nanga Parbat im Winter. Expeditionspartnerin Tamara Lunger musste damals kurz unterhalb des Gipfels umdrehen. In diesem Jahr waren Simone und Tamara auf Expedition am Kangchendzönga – unter völlig anderen Vorzeichen. Die Expedition scheiterte. Die beiden Bergsteiger erreichten ihr Ziel nicht einmal ansatzweise.

Simone Moro und Tamara Lunger haben noch nie einen großen Berg gemeinsam bestiegen. Immer ging etwas schief. Trotzdem gelten die beiden als überaus starke Seilschaft – vor allem über die gemeinsame Zeit am Seil hinaus. Simone Moro: „Dass wir  zusammen unterwegs sind und uns gegenseitig so unterstützen, das ist unsere eigentliche Leistung und ein überaus großer Erfolg – unabhängig von erreichten Berggipfeln.“ Der Film liefert tiefe Einsichten in die letzte Expedition am Kantsch, in die Beziehungen zwischen den Bergsteigern, die Hierarchien am Berg und die Entwicklung der Freundschaft zwischen Simone und Tamara, welche am Kantsch „mal nicht der Trottel der Expedition“ war, wie sie sagt. Diese zweifelhafte Ehre gebührte heuer Simone. Soviel Humor muss sein. Auch das macht „La Congenialità“ zu einem beeindruckenden Film von bestechender Ehrlichkeit – und mit einer guten Botschaft.

Simone ist live on stage und kommentiert mit viel Witz und italienisch-ausschweifend den Film und die Fragen der Moderatoren. Tamara Lunger hingegen ist schon wieder auf Expedition unterwegs und auf der Suche.

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Jetzt wünsche ich Euch viel Spaß beim Filmeschauen! Am 12. Oktober startet die diesjährige EOFT in Füssen und endet am 7. Februar 2018 in Flensburg. Genügend Gelegenheiten, eine passende Vorstellung zu finden – es lohnt sich!