The Rain Man
Rain Man, Herr des Regenturms, Wettergott. Stefan Marschar ist zuständig für den Regenturm von Gore in Feldkirchen-Westerham bei München. Unsere Praktikantin Kristin hatte die Chance, ihn in einem Gespräch näher kennenzulernen. Ein Portrait.


Für die kleinen Besucher verwandelt sich Stefan auch schon mal in den verrückten Professor
Für die kleinen Besucher verwandelt sich Stefan auch schon mal in den verrückten Professor

Stefan Marschar gehört in diesem Moment die ganze Aufmerksamkeit der kleinen und großen Besucher. Die Show beginnt, sobald er in seinem Regenturm die Türe schließt und den Regen „einschaltet“. Basistest, Sturmtest, Motorradtest – der auf den ersten Blick unscheinbare Regenturm in Feldkirchen-Westerham bei München, in dem Gore die Wasserdichtigkeit von Bekleidung testet, hat so einiges zu bieten. „Manche Besucher erinnert das an eigene Erlebnisse mit einer GORE-TEX Jacke, wenn das Wetter mal besonders schlecht war“, erzählt der gebürtige Badener. Dabei sind sich seine Gäste so überhaupt nicht ähnlich: Kunden, Händler, Gore-Mitarbeiter, Studenten, Familien, Journalisten, Ärzte. „Am liebsten sind mir die Blogger, die sind immer besonders gut informiert“, schmunzelt er.

Neben der ganzen Show ist es Stefan Marschar aber auch wichtig, dass seine Besucher etwas lernen, etwas mitnehmen. „Nach 18 Jahren bei Gore ist es für mich immer wieder eine neue Herausforderung jeden hier im Regenturm zu begeistern, sei es eine Familie, die im Rahmen unserer Big Days hier ist, oder eine Gruppe Journalisten. Mein Motto: Interaktion. Das funktioniert fast immer.“

Von der Skizze bis zum fertigen Produkt

Doch was viele nicht wissen; Stefan gibt keineswegs den ganzen Tag im Regenturm den Showmaster, nein, in seinem Büro warten große Herausforderungen auf ihn. Gemeinsam mit den Markenpartnern von Gore entwickelt der Diplomingenieur für Bekleidungstechnik die Prototypen für neue Jacken- und Hosenmodelle. Der Weg von einer Skizze, einem gewünschten Design bis hin zur fertigen Jacke mit GORE-TEX Materialien und den damit verbundenen Anforderungen an Wasser- und Winddichtigkeit sowie Atmungsaktivität, ist nicht immer einfach. So dauert es manchmal Monate, bis die passende Konstruktion für die gewünschte Optik gefunden ist.
Basistest, Sturmtest, Motorradtest - Stefan kann in seinem Regenturm verschiedenste Bedingungen nachstellen
Basistest, Sturmtest, Motorradtest - Stefan kann in seinem Regenturm verschiedenste Bedingungen nachstellen

Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefordert. „Diesen Prozess, von einer einfachen Zeichnung bis hin zum fertigen Prototyp zu begleiten ist zwar immer wieder eine echte Herausforderung, gehört für mich aber zu den spannendsten und schönsten Aufgaben“, erzählt der 53-Jährige. Wird das nach so vielen Jahren nicht irgendwann langweilig? „Überhaupt nicht! Es kommen ja immer wieder neue Materialien, Technologien hinzu, Vorgaben und Design verändern sich … Ich lerne nach wie vor täglich dazu“, so Stefan. Überhaupt habe ich das Gefühl, so begeistert wie er mir von seinen Tätigkeiten erzählt, mit so einem Strahlen in den Augen, dabei freudig gestikulierend, da haben sich zwei gefunden: er und sein Beruf, das passt. Oder auch „perfect fit“, wie Stefan sagen würde.

Der Test, der den Unterschied macht

Ist der finale Prototyp fertig, steht das sogenannte „style approval“ auf dem Programm. Zunächst werden alle wichtigen Daten wie beispielsweise das Gewicht der Jacke in eine Datenbank eingegeben. Es folgt eine visuelle Beurteilung, bei der sich Stefan das jeweilige Bekleidungsstück ganz genau ansieht. Gibt es nichts zu beanstanden, bleiben dem Prototyp weitere Tests erspart. Handelt es sich um eine neue Konstruktion oder um eine ganz spezielle Endanwendung, muss diese in den Regenturm. Wenn Stefan dann die Beregnung startet, geht es um viel mehr als nur Show. In jahrelang erprobten Verfahren steht nun die Funktionalität der Konstruktion und die Verarbeitung des Styles im Fokus. Als bestanden gilt der Test nur dann, wenn die Jacke zu 100 Prozent wasserdicht ist. „GUARANTEED TO KEEP YOU DRY“, ein Versprechen, das anders nicht zu halten wäre. Schafft es auch nur ein einziger Wassertropfen in den Prototyp, gilt der Test als nicht bestanden – die Fehlersuche beginnt.
Bestanden? Sorgfältig kontrolliert Stefan die Jacke nach dem Test
Bestanden? Sorgfältig kontrolliert Stefan die Jacke nach dem Test

Hüte, Helme, Models

Wer wie ich übrigens geglaubt hat, Stefan testet „nur“ Jacken und Hosen, der liegt falsch. In seinen fast zwei Jahrzehnten im Unternehmen hat er schon so einiges erlebt und plaudert in unserem Gespräch aus dem Nähkästchen: „Vor einigen Jahren wollte ein Mitarbeiter die Funktionen eines Biwak-Sacks testen. So lag er dann in diesem eine Woche lang immer wieder für ein paar Stunden im Regenturm. Im Regen, versteht sich. Schuhe, Helme, Hüte, selbst die Imprägnierung von Helmvisieren war schon Thema.“

Gut in Erinnerung geblieben ist Stefan auch der Besuch einer Fachzeitschrift, die für besonders ansprechende Aufnahmen ein weibliches Model, lediglich bekleidet mit Bikini, Gummistiefeln und GORE-TEX Jacke im Regenturm ablichtete. So viele Mitarbeiter wie an diesem Tag hatten selten in der Nähe des Turms zu tun.

Auch wenn sich das Bild von Stefan als der Mann im Regenturm wahrscheinlich noch lange halten wird; wir wissen jetzt, es gehört noch weitaus mehr zu seinen Aufgaben. Denn gerade die enge Zusammenarbeit mit den Kunden, sowie das aufwändige Testen der Prototypen macht GORE-TEX Produkte so einzigartig.

„GUARANTEED TO KEEP YOU DRY“, auch dank der Arbeit von Stefan Marschar.