Reinhold Messners Regiedebüt „Still Alive“
Vor knapp 40 Jahren nahm Reinhold Messner zum ersten Mal ein GORE-TEX Zelt mit auf einen Achttausender. Seitdem hat er unzählige Abenteuer erlebt: Erstbegehungen, Wüstendurchquerungen und nicht zuletzt den Bau der Messner Mountain Museen in Südtirol. Nun hat er erstmals Regie geführt und sein Film feierte beim International Mountain Summit Premiere.


Es wäre nicht Messner, wenn es keine außergewöhnliche Geschichte gewesen wäre, die er verfilmt hat. Tatsächlich handelt es sich um ein Bergsteiger-Drama am Mount Kenia, das sich am 5. September 1970 ereignete. Der Film ist eine Kombination aus Originalaufnahmen aus 1970 und nachgespielte Szenen am Mount Kenia. Die Protagonisten sind zwei Freunde aus Tirol, die den Mount Kenia besteigen wollten. Beim Abstieg passierte das Unglück: einer der beiden – der junge Tiroler Mediziner und Bergsteiger Dr. Gert Judmaier – stürzte 30 Meter tief und zog sich einen offenen Beinbruch zu. Der andere, Dr. Oswald Ölz, versorgte ihn mit einfachsten Mitteln und holte Hilfe. Zur damaligen Zeit war dies beinahe unmöglich: eine Rettung auf knapp 5.000 Metern Höhe, unwegbares Gelände in einem exotischen Land ohne ausgebildete Bergwacht.

Tatsächlich gelingt es innerhalb von fünf Tagen, eine Bergrettertruppe aus Tirol nach Kenia zu schicken, die dann am siebten Tag Judmaier retten. Dass Judmaier überhaupt überlebte grenzt an ein Wunder. „Das Leben hat uns die Geschichte geschenkt“, sagt Messner nach der Premiere bei der anschließenden Diskussion, bei der auch die Protagonisten von damals, Judmaier und Ölz, sowie Profikletterer und Schauspieler Hansjörg Auer dabei waren.

[caption id="" align="alignnone" width="690"]oswald-oelz-raimund-margreiter-reinhold-messner-hansjoerg-auer-hanspeter-stauber-gerd-judmaier Oswald Ölz, Raimund Margreiter, Reinhold Messner, Hansjörg Auer, Hanspeter Stauber und Gerd Judmaier auf der Filmpremiere beim International Mountain Summit.[/caption]

Der Berg führt Regie

Angesprochen auf die zentrale Herausforderung beim Regiedebüt sagt Messner: „Der Berg spielt die Hauptrolle, wir mussten uns an die lokalen Gegebenheiten anpassen. Der Berg führt Regie.“ Mit großem technischen Aufwand wurde die Produktion am Mount Kenia umgesetzt und damit wird das Schicksal, das Judmaier sieben Tage lang dort erlebt habt, auch deutlich. Temperaturunterschiede von sonnigen 20 Grad tagsüber, bis hin zu Minusgraden mit Schneefall und Wind in der Nacht.

Wie auch in seinem bisherigen Leben ist Messner Authentizität in diesem Film sehr wichtig: die nachgespielten Szenen wurden am Mount Kenia an den Originalschauplätzen gedreht, Ölz und Judmaier waren beide vor Ort. Und die Schauspieler sind im richtigen Leben Vollblut-Bergsteiger und ganz und gar nicht ausgebildete Schauspieler, damit die bergsteigerischen Szenen möglichst authentisch sind. Hansjörg Auer, Spitzenbergsteiger und Gewinner des diesjährigen Paul Preuss Preises, spielt Judmaier. Auers Bruder Vitus, selbst auch Alpinist, spielt Ölz. „Denkt euch in die Situation rein – ich lass die Kamera laufen!“, so Messner an die Schauspieler.

Mein Fazit: kein Film für Bergromantiker! Es ist ein Film, der die Tragödie ungeschminkt darstellt. „Still Alive“ führt plastisch vor Augen, welches Unterfangen dieses Ereignis damals war – sowohl aus bergsteigerischer Sicht als auch aus Bergretter-Sicht. Ich bin schon gespannt auf weitere Filmprojekte von Messner.