“Sechs Geschichten über GORE-TEX Produkte Vol. 2”: ACRONYM
ACRONYM Mitbegründer Errolson Hugh ist gebürtiger Kanadier mit Wohnsitz in Berlin. Die Marke hat dank ihrer ungebremsten Innovationskraft und Kompromisslosigkeit ihren eigenen Weg gefunden und definiert eine neue Kategorie von Bekleidung und Accessoires, indem sie Passform, Multifunktion und Materialien auf höchstem Niveau weiterentwickelt. 1994 zunächst als Agentur gegründet, debütierte ACRONYM 2002 als hauseigene Marke, die bald dauerhaften Kultstatus erlangte – mit der Marke GORE-TEX als stetigen Partner an ihrer Seite. Als Teil seines enormen Arbeitspensums zeichnet Errolson verantwortlich für das Design und die aktuelle Renaissance der Nike ACG-Linie.


Der Beginn einer Partnerschaft

Wie alle anderen hat uns an GORE-TEX Produkten zunächst das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit angezogen. Keine Technologie genießt ein derartiges Ansehen wie die Marke GORE-TEX. Grundsätzlich ist es die Wissenschaft dahinter, die die Marke für uns so attraktiv macht. Darüber hinaus ist es aber auch das Engagement der Marke als Organisation. Es gibt nur wenige Unternehmen, die so großen Aufwand betreiben, nicht nur in der Herstellung ihrer Produkte, sondern auch in deren idealer Positionierung auf dem Markt.

Damals in den 90er-Jahren waren wir gerade dabei, uns in der Snowboard-Branche zu etablieren. Die ersten Teile, die wir je mit der Marke GORE-TEX damals gefertigt haben, waren für ein deutsches Label namens PROTECTIVE. Ich kann mich noch gut erinnern, dass der Schnittmacher nach der ersten Beurteilung der Teile seinen Job kündigen wollte! Keiner von uns wusste damals so richtig, wie man eine GORE-TEX Jacke entwirft, und wir hatten dieses anspruchsvolle Belüftungssystem entwickelt. Natürlich war es überall undicht... Wir hatten noch sehr viel zu lernen. Doch dann haben wir noch einmal von vorne angefangen, und das hat sich gelohnt. Das war mein Einstieg in das Design von Funktionsbekleidung. Der gesamte Prozess hat einen gewaltigen Eindruck bei uns hinterlassen. Ich kann mich noch an das Material erinnern: 2-Lagen Taslan.

Unser Verhältnis zum Unternehmen hat sich seit damals nicht geändert. Wenn ich jetzt zurückblicke, ist es wirklich erstaunlich, wie offen sie sich unseren Vorschlägen gegenüber stets gezeigt haben. Andererseits waren sie aber wahrscheinlich auch die Einzigen, die überhaupt verstanden, was wir tun wollten. Sie verstanden es damals wahrscheinlich besser als wir! Es dauerte ein Weilchen bis wir die Lizenz bekamen. Über einen Zeitraum von acht Monaten haben wir uns dreimal mit ihnen getroffen. Bei einer normalen saisonalen Kollektion wäre das ein Problem gewesen, aber wir haben zweieinhalb Jahre für die Entwicklung unseres ersten Produkts gebraucht, also war das in Ordnung.

Dem Wesentlichen treu bleiben

Ob wir mit Nike oder als ACRONYM arbeiten, die Designgrundlagen bleiben für uns immer die gleichen. Wie diese angewandt werden, ist allerdings von Fall zu Fall anders, je nachdem, was wir erreichen wollen. Technisches Design stößt in der Realität sehr, sehr schnell auf physikalische Einschränkungen. Diese Konfrontation ist es, mit der wir uns bei ACRONYM in erster Linie beschäftigen. Für die meisten Designer, vor allem bei den eher Lifestyle-orientierten Marken, ist dies meiner Meinung nach nicht so sehr der Fall. Somit stellen die Leistungsstandards der Marke GORE-TEX sicher, dass die Funktion der Produkte nicht durch die Form beeinträchtigt wird.

Wir werden immer über die nächsten Schritte auf dem Laufenden gehalten. Aber das werden wohl alle Partner der Marke GORE-TEX. Sie arbeiten an so vielen Dingen und ihre Planungen gehen so weit in die Zukunft, dass sie uns fast schon darüber informieren müssen, was sie alles in der Pipeline haben.

Die Film-Out-Technologie definiert völlig neu, was ein Kleidungsstück der Marke GORE-TEX sein kann. Sie verschiebt die Vorteile von GORE-TEX Produkten in ganz neue Bereiche, sowohl in Bezug auf ihre Eigenschaften als auch auf ihre Einsatzbereiche. Hier bei ACRONYM steht der Komfort im Vordergrund – der Komfort, die Stille und die Leichtigkeit. Wir sind noch weit davon entfernt, das volle Potenzial dieser Technologie auszuschöpfen. Ich denke, die Leute werden noch jahrelang immer wieder neue Sachen entdecken, die mit dieser Technologie umgesetzt werden können.

Schlussendlich glaube ich, dass wir immer danach streben, die Kerneigenschaften eines Materials zu entdecken. Das bedeutet, dass wir ganz grundlegend zu verstehen versuchen, wie sich das Material verhält und wie dieses Verhalten genutzt werden kann. Idealerweise tut oder drückt man über ein bestimmtes Material etwas aus, das nur dieses eine Material tun oder ausdrücken kann.

Gegenseitige Inspiration und Kollaboration

Ich denke, es geht mehr um gegenseitige Inspiration als darum, sich gegenseitig anzutreiben. Wir verschieben beide die Grenzen unserer Bereiche und diese Bereiche überschneiden sich. Aber die Entwicklung eines Kleidungsstücks und die Entwicklung einer Materialtechnologie sind unterschiedliche Bestrebungen. Wir lernen aber definitiv voneinander, da das fertige Produkt nur mit beiden Teilen der Gleichung existieren kann. Letztendlich betrachten wir jeweils unterschiedliche Aspekte derselben Sache, nämlich der tragbaren Schnittstelle eines Nutzers mit seiner Umwelt.

Diese Prozesse helfen beiden Seiten bei der Weiterentwicklung ihrer Marke. Beide Bereiche bieten so viele Möglichkeiten und beide entwickeln sich stets weiter. Es ist also kein Ende der Dinge absehbar, die wir voneinander lernen können. Es wird immer neue Ideen oder Informationen geben, die es zu teilen gilt.

Ich glaube, wahre Designer von Funktionsbekleidung haben letztlich dieselben Ansprüche wie die Marke GORE-TEX. Wenn man es richtig macht, hat man in Wahrheit das gleiche Ziel. Die Prozesse, um dieses Ziel zu erreichen, sind komplex. Ihre Leistungsstandards sind dazu da, eine Basis zu definieren und abstrakte Design-Grundlagen zu konkretisieren. Ich verstehe, warum viele Designer das als Einschränkung empfinden und ihre eigene Visionen verfolgen wollen. Wir aber versuchen, über das Produkt hinaus das Ergebnis im Auge zu haben. Für uns ist die Erfahrung, die wir beim Tragen des Kleidungsstücks machen, wichtiger als ein einzelnes Detail davon.

Dieser Fokus auf die Technologie in unserer Bekleidung wird letztendlich allgegenwärtig sein. Bei Technologie geht es im Wesentlichen schließlich um Qualität. Sobald die Leute verstanden haben werden, dass man es besser machen kann, wird es kein Zurück mehr geben.

Autor: Gary Warnett