One shot. So gelingen Lauffotos mit dem Smartphone!
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Die 10 besten Tipps für dein perfektes Handyfoto.


Laufen ist ja ein minimalistischer Sport: ein Paar Laufschuhe, Hose, Shirt, und los geht’s. Doch je länger die Läufe, desto mehr Ausrüstung kommt mit: Jacke, Mütze, Trinkflasche, kleiner Laufrucksack, und – vor allem für Trailläufer in den Bergen essentiell – ein Smartphone, aus Sicherheitsgründen oder auch zum Aufzeichnen der Route über Strava, Runtastic oder ähnliche Apps. Der angenehme Nebeneffekt: die Kameras vieler Smartphones sind heute erstaunlich gut und man spart das Gewicht einer großen Kamera.

Sonnenuntergänge, das Mittagessen auf der Hütte oder die Füße im Bergbach, also recht statische Motive, lassen sich auch mit dem Smartphone leicht fotografieren. Die Gefahr von Unschärfe oder Verwacklungen ist gering, man kann sich beim Fotografieren Zeit lassen, um den richtigen Ausschnitt zu finden. Den Kumpel beim Sprint zur nächsten Passhöhe fotografisch einzufangen wird allerdings etwas schwieriger.

Die Kameras von Smartphones haben einige Nachteile im Vergleich zu größeren Kameras: erstens eine große Auslöseverzögerung, zweitens sind sie mit kleinen, meist lichtschwachen Objektiven ausgerüstet, und schließlich sind die Sensoren bauart bedingt sehr klein, was sich ebenfalls in der Abbildungsqualität zeigt. ABER: Es ist absolut erstaunlich, welche Fotos heute mit Smartphones entstehen können. Auch ich fotografiere viel mit meinem iPhone und habe Spaß daran.

Hier nun einige Tipps, wie du am besten zu einem guten Lauffoto gelangst, ganz ohne große, schwere Kamera.

Laufrichtung und Entfernung des Läufers

Iphone 04

Wenn der Läufer seitlich durchs Bild läuft, braucht man eine kurze Verschlusszeit, damit er im Bild nicht unscharf wird. Nähert er sich frontal oder schräg, darf die Belichtungszeit auch ein wenig länger sein, ohne sofort viel Bewegungsunschärfe zu riskieren. Bei schlechteren Lichtverhältnissen kann man dem allerdings kaum entgehen. Abhilfe kann hier zum Beispiel die App Manual Cam schaffen, bei der sich die Belichtungszeit (und vieles mehr) manuell einstellen lässt. Ausreichend Licht benötigt man zwar auch damit für ein gutes und scharfes Bild, aber man kann eventuell auf Kosten der Tiefenschärfe eine schnellere Verschlusszeit wählen. (Man beachte: höhere Tiefenschärfe = längere Verschlusszeit erforderlich).

 

Gegenlicht vermeiden

Am besten kommt eine Smartphone-Kamera damit zurecht, wenn das Licht von hinten kommt. Mitunter kann man sein Motiv aber nur einfangen, wenn man direkt oder zumindest annähernd in Richtung der Sonne fotografiert. In solchen Fällen wird der Belichtungsmesser vom vielen Licht ausgetrickst, das ins Objektiv fällt. Weil sehr viel Licht auf den Sensor oder Belichtungsmesser der Kamera trifft, reguliert er die Belichtung soweit herunter, dass plötzlich das Bild, und vor allem Personen im Vordergrund, dunkel bis schwarz erscheinen. Hier muss man eingreifen. Beim iPhone gelingt das mit einem längeren Druck auf die Stelle des Bildschirms und gewünschten Ausschnitts, der am wichtigsten ist. Die Belichtung und Entfernung wird dadurch gespeichert. Sollte es noch nicht ganz passen: mit einem einfachen Wischen des Fingers nach oben wird das Bild heller, wischt man nach unten, wird es wieder dunkler. Alternativ kann man auch hier die oben erwähnte App Manual Cam verwenden.
IPhone Bild
Nachträglich bearbeitet mit der VSCO App

Vorfokussieren hilft

Weil eine Handy-Kamera über keinen ultraschnellen Autofokus verfügt, sollte man vor dem Auslösen den Fokus, also die Entfernungseinstellung, auf dem Punkt im Bildausschnitt festlegen, der später, wenn der Läufer ankommt, der
richtige ist. Das macht man zum Beispiel beim iPhone wieder so, dass man länger auf den Bildschirm drückt und damit den Fokus einloggt. Wenn dann der Läufer kommt, muss man nur noch auslösen und erwischt besser den richtigen Moment, an dem der Läufer an der perfekten Stelle ist (siehe unten: Bildaufbau). Und das Bild ist scharf.

Burst-Mode/Serienbilder helfen bei Sportaufnahmen

Viele Smartphones bieten die Möglichkeit einer Serienbild-Aufnahme, bei der man innerhalb weniger Sekunden zehn Bilder oder mehr schießt. Gerade bei Action-Aufnahmen ist das eine gute Möglichkeit, wirklich den besten Moment zu erwischen, in dem der Läufer perfekt gestreckte Beine hat und vor dem idealen Hintergrund in der Luft zu schweben scheint. Nach der Serienaufnahme sucht man dann am Bildschirm in Ruhe den Favoriten aus – und löscht alle anderen Bilder, damit sich die Festplatte nicht unnötig füllt.

Mitziehen für Speed-Effekt

Weil Handykameras viel Licht brauchen, sind Action-Fotos schnell unscharf. Nicht durch die allerseits bekannte Verwacklung eines Fotos, sondern durch die Geschwindigkeit, mit der sich der Läufer durch das Bild bewegt. Wenn bei schlechten Lichtverhältnissen schnellere Verschlusszeiten durch manuelles Eingreifen (App Manual Cam) nicht möglich sind, gibt es die Möglichkeit, das Smartphone beim Fotografieren mitzuziehen. Dadurch erzielt man eine Art Wischeffekt, in der der Hintergrund unscharf/verwischt ist, der Läufer aber noch scharf – ein Effekt, der zum Beispiel oft beim Fotografieren von Autos genutzt wird. Man sollte dabei darauf achten, den Schwenk in der gleichen Geschwindigkeit auszuführen, wie der Läufer an der Kamera vorbeizieht. Das erfordert etwas Übung und das vorhergehende Einloggen der Belichtung und Entfernung, ist aber zu schaffen.

Zoom vermeiden

Versuche in jedem Fall, den Einsatz der Zoomfunktion deiner Handykamera zu vermeiden. Selbst wenn die Bildqualität vieler Smartphones schon erstaunlich ist – im Zoom-Modus, lässt die Abbildungsqualität meist rapide nach.

Bildaufbau vorher durchdenken

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Stets wichtig für ein schönes Bild, unabhängig davon, ob man es mit dem Smartphone aufnimmt oder mit einer professionellen Spiegelreflexkamera, ist ein durchdachter Bildaufbau. Es geht darum, das Motiv spannend in Szene zu setzen. Dazu tastet man sich am besten von verschiedenen Seiten und Höhen heran. Der Läufer kann winzig in einer großen Landschaft erscheinen oder fast formatfüllend fotografiert werden. Suche dir Linien im Bild, die zum Läufer hinführen und so die Augen auf den wichtigsten Punkt im Bild führen. Eine weitere Grundregel für den Bildaufbau ist der sogenannte goldene Schnitt, der ein Bild klassisch aufteilt und schon von den alten Griechen kommt.

Er teilt die Bildfläche in drei Reihen und drei Spalten. An den Kreuzungspunkten der Linien liegen nun die Punkte, an die man wichtige Bildelemente, wie unseren Läufer, platzieren sollte, um eine gewisse Spannung im Bild zu erzeugen. Gibt es herumliegende Felsen oder Bäume oder auch eine interessante Hauswand, kann man sie unscharf in den Vordergrund des Bildausschnitts setzen, um damit die Augen noch mehr auf den Läufer zu lenken. Es ist immer auch ratsam, nicht nur ein Querformat zu schießen, sondern dazu auch noch ein Hochformat. Manche Leute fotografieren alles nur quer, weil das ja auch auf dem Bildschirm toll aussieht, aber einige Motive wirken im Hochformat viel schöner und sollten auch so fotografiert werden. Sie eignen sich dann hervorragend als Hintergrundbild für den Sperrbildschirm deines Smartphones. Zu guter Letzt sollte man einen unruhigen Bildhintergrund in jedem Fall vermeiden. Das können Äste sein, die aus Köpfen wachsen, oder helle Sonnenflecken, die den Blick auf sich ziehen.

Hilfsmittel Stirnlampe

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Alle Smartphones bieten einen eingebauten Blitz, aber damit Lauffotos zu schießen funktioniert entweder gar nicht oder die Ergebnisse sehen zum Gruseln aus. Eleganter löst man das Problem des mangelnden (Tages-)lichts zum Beispiel mit einer Stirnlampe. Den Lichtkegel möglichst weit einstellen
und dann ausprobieren. In diesem Bereich stößt man sicherlich an die Grenzen der Kameras und Sensoren und die Bildqualität wird das sicher mit einem ordentlichen Bildrauschen quittieren, aber manchmal geht es ja nicht um technische Perfektion, sondern um ein gutes Foto für die Erinnerung.

Bekleidung

Wenn sich deine Laufpartner über schöne Fotos freuen, versuche sie dazu zubewegen, helle, farbige Oberteile zu tragen. Selbst an trüben Tagen gelingen dann oft noch schöne Bilder, auf denen man den Läufer auch noch wiederfindet.

Sinnvolle Apps

Wie erwähnt, sind die Fotos aus den Smartphones schon erstaunlich gut. Mit ein wenig Nachbearbeitung (bitte nicht übertreiben), lässt sich die Qualität aber noch steigern. Außerdem gibt es unzählige Apps, die dem Fotografen helfen, die Fotos zu planen. Hier eine kleine Auswahl meiner favorisierten Apps.
  • VSCO: nachträgliche Bildbearbeitung in klarer Form. Viele Presets (größtenteils im Analog-Look), aber auch einfache Korrekturen von Kontrast, Belichtung, Farbtemperatur und Sättigung möglich.
  • Mextures: Bildbearbeitung mit interessanten Effekten wie Blendenflecken, farbigen Verlauffiltern, verkratzen Oberflächen, etc.
  • Manual Cam: Wie der Name schon sagt: viele manuelle Einstellmöglichkeiten.
  • Sun Seeker: Wissen, wann und wo die Sonne auf- und untergeht