Teil 3: „Meine Glückseligkeit an der Grenze zum Tod“ ein Buch über GORE-TEX Athletin Tamara Lunger
Tamara Lunger, Mitglied des GORE-TEX Athleten-Teams, hat gemeinsam mit Co-Autor Francesco Casoli ihr erstes Buch geschrieben. In „Meine Glückseligkeit an der Grenze zum Tod“ schildert die Alpinistin aus Südtirol ihren Werdegang auf 255 Seiten. Der dritte und letzte Teil handelt von ihrer Sehnsucht nach Bergen, der Heimkehr und dem Aufbruch.


Teil 3: Sehnsucht Berg, Heimkehr und Aufbruch

Was macht Lungers Buch besonders? Warum mag ich „Meine Glückseligkeit an der Grenze zum Tod“ nicht mehr aus der Hand legen, ehe ich die letzte Seite erreicht habe? Es hat wohl viel mit der Ehrlichkeit und unbedarften Offenheit zu tun, die Lunger beim Erzählen an den Tag legt. Anders als bei manchen männlichen Bergsteigerkollegen, die sich – vielleicht unabsichtlich – ein klein wenig heroischer präsentieren, sich häufig in technischen Details versteigen, hat Lungers Blick auf die hohen Berge wenig Heldenhaftes. Dafür liefert die 31-jährige Südtirolerin sehr reflektiert haufenweise interessante Details, eine Fülle an Emotionen und erklärt nachvollziehbar, warum sie gerade auf Expedition so glücklich ist, sie in der Abgeschiedenheit der Berge ihren Frieden findet.

Ich lese von exstatischen Zuständen angesichts überwältigender Naturschauspiele, von körperlichen Qualen in dünner Luft, von Nahtoderlebnissen in völliger Erschöpfung und erfahre immer wieder Lustiges bzw. Kurioses. Etwa, wie lange es dauert, bis sich beim „Hochgebirgs-Tetris“ mehrere menschliche Körper in einem kleinen Zelt richtig positioniert haben.

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Spannend auch jene Passagen, in denen Lunger über erste, ernsthafte Auseinandersetzungen mit Simone Moro am Nanga Parbat spricht. Während dieser auf seine jahrelange Erfahrung und vor allem Besonnenheit setzt, gibt Lunger zu, sich in einem beinahe kindlichem Eifer von Instinkten und einer unvernünftig hohen Risikobereitschaft leiten zu lassen. Andererseits schildert sie, wie wichtig gerade in brenzligen Situationen die Nähe zu Moro ist. Als er beim finalen Gipfelversuch am Nanga Parbat auf den letzten 100 Metern aus ihrem Sichtfeld verschwindet, verlassen sie die Kräfte.


In einem der letzten Kapitel gesteht Lunger, mit der ich als Leser gerade am Nanga Parbat körperlich wie mental ans Limit gegangen bin, nach der Expedition in ein tiefes Loch zu fallen. War am 8125 hohen Berg noch jeder Schritt minutiös geplant, wird die damals 30-jährige Alpinistin vom Medieninteresse danach unvorbereitet überrollt. „Die Rückkehr nach Hause gestaltet sich schwierig, eingezwängt zwischen Verpflichtungen, zudem der Kampf mit körperlichen Problemen. Es vergehen Wochen, ohne dass ich mich jemals entspannen kann. Mir fehlt der Nanga, das Leben dort drüben, ich weine oft aus Sehnsucht und die Rückkehr in den normalen Lebensrhythmus ist eine ungemeine Anstrengung.“


Nach der Lektüre bleibt mir als Leser nur, Tamara Lunger alles Gute auf ihrem weiteren Weg zu wünschen. Sie hat, wie sie im Buch so schön formuliert, noch große Träume, auch abseits der Berge.

„Eines Tages möchte ich gerne eine Herde von Elefanten beobachten, Giraffen an den Ohren ziehen, eine gute Hubschrauberpilotin werden, die Freundschaft einfacher Völker suchen, um von ihnen das Jagen zu lernen, in weit entfernte Welten vordringen. Dazu möchte ich alle Dinge dieser Erde mit Kinderaugen betrachten können.“


 

Übrigens:

Ein Jahr vergeht nach dem Abenteuer Nanga Parbat, ehe sich Lunger – wieder an der Seite von Simone Moro – für ein neues Abenteuer  bereit fühlt: Die Überschreitung des Kangchendzönga-Massivs. In der kommenden European Outdoor Filmtour, welche in Deutschland ab 12. Oktober 2017 startet, wird dieser Versuch im 20-minütigen Film „La Congenialta“ dokumentiert.