Wenn zusammenkommt, was zusammengehört – Erprobung der neuen GORE-TEX Active Produkte bei Elbrus-Besteigung
Neue GORE-TEX Produkte testen wir vor Markteinführung nicht nur im Labor nach allen Regeln der Kunst. Wir wollen uns auch davon überzeugen, dass unsere Innovationen auch im tatsächlichen Einsatz halten, was sie versprechen. Begleite GORE-TEX Produktspezialist Johannes Ebert bei einem Praxistest auf dem russischen Berg Elbrus, wo er unsere neuen GORE-TEX Active Innovationen einem Ausdauertest unterzieht, bevor sie im Frühjahr/Sommer 2018 auf den Markt kommen.


5. April 2017

Das Bergwetter für den Mount Elbrus im Kaukasus (Russland): „Starker Schneefall, extreme Kälte, Wind zunehmend kräftiger ...“ Diese Wettervorhersage für das Ziel meiner Reise, die sieben Tage später stattfinden sollte, war ein weiterer Schock für mich, nachdem mir bereits eine aufziehende Erkältung Schwierigkeiten bereitete. Ich konnte es nicht glauben – der Winter hatte spät begonnen, aber mit tollen Bedingungen, sodass ich eine gigantische Skitouren-Saison hatte, mit ungefähr 40 Trainingseinheiten am frühen Morgen, viele davon allein, viele zusammen mit Freunden, direkt vor meiner Haustüre. Im Februar hatte sich die Entscheidung, einen Traum wahr werden zu lassen, immer mehr verfestigt: die Nonstop-Besteigung des Elbrus, mit 5642 m der höchste Berg Europas, mit Skiern, ohne Unterstützung, im Rahmen einer familienfreundlichen Tourenplanung. „Familienfreundlich“ heißt, dass die Tour nur einige wenige Tage dauern durfte, wenn die Familie das Projekt mittragen sollte („Papa, bist du morgen wieder zu Hause?“).
Ich war am Boden – ich hatte eine Traumtour vor mir, war gut vorbereitet und optimal trainiert, und dann sollte mich eine Erkältung und schlechtes Wetter stoppen?

Im Oktober 2015

Zusammen mit Darlene, meiner Tandempartnerin für die GORE-TEX Active Produkte, begann ich daran zu arbeiten, die Produktperformance nochmal signifikant zu verbessern. Nachdem was wir an Feedback von Nutzern bekommen hatten und aufgrund unserer eigenen Erfahrungen waren wir der Meinung, dass die Produkte leichter, weicher und dezenter werden müssen, gleichzeitig aber maximal atmungsaktiv und mit kompromisslosem Schutz vor Wind, Regen und Schnee. Mit einem sehr kompetenten und effektiven Projektteam gelang es uns, die Innovationsgeschwindigkeit deutlich zu erhöhen, sodass wir Anfang 2017 eine neue Produktgeneration vorstellen konnten, die genau die von uns anvisierten Ziele erfüllt. Ich kenne zahllose Technologien für leichte Sportprodukte und war deshalb extrem gespannt darauf, die neue GORE-TEX Active Produktgeneration endlich auf Herz und Nieren testen zu können. Die schnelle Nonstop-Besteigung des Elbrus erschien mir dafür hervorragend geeignet, da das Bekleidungssystem hierbei einer großen Bandbreite an Wetterbedingungen standhalten muss bei gleichzeitig geringem Gewicht und hoher Bewegungsfreiheit. Beispiele wie der gescheiterte Rekordversuch von Kilian Jornet bei der Nonstop-Besteigung des Elbrus in seinem Projekt „Summits of my life“ im Jahr 2013 zeigen, wie wichtig eine ausbalancierte Mischung aus Geschwindigkeit, Sicherheit und Schutz ist.

Die Tour

10. April 2017

Montagmorgen Ankunft in Mineralnyje Wody, Fahrt durch das Baksan-Tal zum Hauptkamm des Kaukasus mit den Gipfeln Ushba (4711 m) und Elbrus (5642 m). Aufgrund des engen Zeitfensters von nur 4 Tagen musste die Anpassung an die extreme Höhe ziemlich schnell gehen. Da ich bereits zuvor Gipfel mit 5000/6000/7000 Metern Höhe bestiegen hatte, war ich mir sicher, dass sich mein Körper relativ gut akklimatisieren wird. Die Gebirgskette machte keinen sehr einladenden Eindruck: Es war stürmisch, leichter Regen bei 3 °C im Dorf Terskol, genau das richtige Wetter also, um die Akklimatisationsphase mit einem ersten Trailrun in meiner neuen GORE-TEX Active Jacke zu beginnen. Meine Stimmung war zwar aufgrund des schlechten Wetters im Kaukasus gedämpft, aber ich habe meine Erkältung sehr gut überstanden und für die Gipfelbesteigung 1,5 Tage später lief soweit alles nach Plan.

11. April 2017: Dienstag

Vorbereitung des Aufstiegs. Bei Nebel steigerte ich mich langsam von Terskol (2200 m) auf 4300 m und war froh, eine Gruppe von österreichischen Skitourengehern zu treffen, die sich auf die Gipfelbesteigung vorbereiteten. Die Stimmung in der Gruppe war angespannt, da sie ihren Aufstieg von der auf 3700 m liegenden Garabashi Hütte schon seit einer Woche planten, aber mit heftigen Stürmen und einem sehr unberechenbaren Wetter zu kämpfen hatten. Der Elbrus, der den Beinamen „Kleine Arktis“ hat, liegt ungefähr 100 Kilometer entfernt vom Schwarzen Meer und wird direkt von dem Wetter, das aus dem äußersten Norden Sibiriens kommt, beeinflusst. Zudem ist der Elbrus in allen Himmelsrichtungen von Gletschern bedeckt. Auf über 4300 m fühlte ich mich schnell erschöpft bei dem Versuch, meine über den Winter hinweg gewohnte Geschwindigkeit beizubehalten. Das geringe Gewicht meiner Ausrüstung von insgesamt unter 10 kg für Ski, Stiefel, Kleidung, Sicherheits- und Schutzausrüstung, Essen und Getränke sorgte jedoch für einen enormen positiven Energieschub und lies mich optimistisch bleiben. Vielen Dank an Regina Hackner und Wibke Roloff – die ultimative Lösung war meine spezielle GORE-TEX Active Ausstattung bestehend aus Jacke und Hose mit insgesamt weniger als 470 Gramm Gewicht!

12. April 2017: Mittwoch

36 Stunden nach Ankunft war ich bereit für den Nonstop-Aufstieg. Klares Mondlicht, leichter Wind und -10 °C um 3.00 Uhr morgens in Terskol (2270 m). Die Route verlief durch eine steile und schwierige Schlucht in Richtung großer Terskol-Gletscher. Den Mond hatte ich wie einen Partner im Rücken. In meiner leichten Jacke und Hose fühlte ich mich angenehm warm und trocken, kein Schwitzen und kein Gefühl von Hitze. Gepusht von meiner leichten Ausrüstung, einer Schicht besten Pulverschnees unter meinen Skiern und durch die Wahl einer sehr direkten Spur zum oberen Teil des Berges, erreichte ich die Gletscher auf 4000 m Höhe in unter zwei Stunden. Damit war ich sehr viel schneller als geplant, sodass ich die Geschwindigkeit reduzierte, um Energie zu sparen. Die vorausgesagte Windgeschwindigkeit von 60 km/h und -25 °C auf dem Gletscher zwangen mich, eine Daunenjacke über die Hardshell-Jacke zu ziehen und nochmal Geschwindigkeit zu reduzieren. Es ist ein sehr dünner Grat zwischen Frieren, sich beengt fühlen durch dicke und schwere Kleidung und sich zu warm fühlen. In dieser Situation hat meine neue GORE-TEX Active Jacke gezielt auf „Schutzmodus“ gegen den kalten Sturm geschaltet. Je länger der nicht enden wollende Anstieg andauerte, desto zufriedener war ich mit der Lösung, die unser Team geschaffen hat. Meine Strategie, für den Aufstieg diese leichtgewichtige Bekleidungstechnologie und geeignete Bergsportausrüstung eher robusten Lösungen gegenüber vorzuziehen, und der gute Flow, in dem ich war, trieben mich dem Gipfel entgegen. Ein paar Teams aus Österreich und Russland folgten meiner Spur. Sie stiegen über die Normalroute vorbei an der Garabashi Hütte (3700 m) auf.


Im strahlartigen Sattel zwischen dem Ost- und Westgipfel des Elbrus wurde der Wind immer stürmischer. Ich musste alle verbleibenden Kräfte aufbringen, um Geschwindigkeit und Rhythmus beizubehalten. Der eisige Untergrund und die steile Wand vor mir zwangen mich, die Steigeisen anzulegen. Das mühsame Aufsteigen durch den dichten Pulverschnee trieb meinen Puls in die Höhe. 5300 m – immer noch eine Stunde Aufstieg und ich fühlte mehr und mehr die Belastung und die Auswirkungen der Höhe auf meinen Körper. Ich durfte durch den Sturm nicht aus dem Gleichgewicht kommen, musste meine Bewegungsabläufe also sehr sorgfältig und präzise setzen, um im Flow zu bleiben. Gegen 10.30 Uhr erreichte ich das Gipfelplateau und nach weiteren 30 Minuten den höchsten Gipfel Europas, wenn man die geografischen Grenzen etwas weiter fasst. Bei dem Anblick der endlosen Weite der schneebedeckten Gipfel der Gebirgskette erfüllte mich eine Gefühl der Ruhe, Zufriedenheit und des Friedens – und das große Verlangen, mich einfach hinzusetzen und zu schlafen.


Der Abstieg durch die eisigen und steilen Wände des Gipfels erforderte jedoch volle Aufmerksamkeit und Konzentration. Ich wusste, dass jeder Fehler zu einem schmerzhaften Sturz gegen Eiszapfen, in Gletscherspalten oder gegen Felsen führen kann. Erfreulicherweise schaffte auch das österreichische Team an diesem Tag den Aufstieg, wohingegen die meisten anderen Tourengeher auf dem stürmischen Sattel auf 5300 m umdrehten.

Die endlos lange Abfahrt – ungefähr 18 Kilometer und 3500 Höhenmeter – endete in einer kleinen Schlucht umgeben von Felswänden, also einer Umgebung, die so ganz anders war als die hellen Gletscherhänge im oberen Teil. Hatten mir meine GORE-TEX Active Jacke und Hose im oberen Teil noch vollen Wetterschutz geboten, regulierten sie im unteren Teil des Elbrus nun die Hitze- und Schweißentwicklung durch die starke Sonneneinstrahlung. Ich fühlte, wie sich meine Muskeln durch den höheren Luftdruck auf der niedrigeren Höhe entspannten – vielleicht war es aber auch die Aussicht auf das kühle Nalchik Bier, das im Gästehaus auf mich wartete.

Zehn Stunden nach Aufbruch kam ich wieder im Dorf Terskol an. Die wenigen Skitouristen, die im Ort auf ein Taxi warteten, beäugten den Deutschen, der mit leuchtend rotem Gesicht in Skitourenstiefeln und mit Skiern auf dem Rücken erschöpft, aber vollkommen zufrieden mit sich und dem Leben im Ort ankam, recht skeptisch.
Klingeliiiiing … das erste Bier war noch nicht leer als einer meiner Söhne anrief, um mit mir über die Pläne für die nächsten Tage zu sprechen, was wir dringend miteinander bauen müssten und was der Osterhase wohl bringen würde – willkommen zurück bei den wirklichen Herausforderungen des Lebens!

Die Tour im Überblick:

1,5 Tage Vorbereitung/Akklimatisation
Nonstop-Aufstieg von Terskol über das Terskol-Tal/die Terskol-Schlucht zum Gletscher, weiter über die Normalroute von der Garabashi Hütte auf den Westgipfel und zurück. ↑8 Stunden, ↓1,5 Stunden, ↑↓3500 Höhenmeter, 18 Kilometer

Zum Athleten:



Johannes betreibt seit nunmehr 25 Jahren fast alle Spielarten des Bergsteigens, mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Als Teil seiner Verantwortung als Produktspezialist für GORE-TEX Active Technologien ist er selbst in jedem Feldtest engagiert, um die Produktentwicklungen bestmöglich beeinflussen zu können. Glücklicherweise kann er Beruf und Familie durch seine Vorliebe für schnelle Begehungen technischer Routen und hoher Berge unter einen Hut bringen.

Sein Antrieb: Aktive Outdoor-Enthusiasten mit High-Performance-Produkten zu unterstützen, damit sie die Freiheit am Berg und die Schönheit der Natur so komfortabel und sicher wie möglich genießen können.