Auf Zusteller zugeschnitten Deutsche Post DHL führt neue Unternehmenskleidung ein

Innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren stellte die Deutsche Post DHL Group die Ausstattung ihrer Zusteller um. Wieder in den historischen Unternehmensfarben Gelb und Schwarz, bietet die neue Firmenkleidung verbesserten Wetterschutz in modernem Design. Kernstück der neuen Ausstattung ist eine wetterfeste Kapuzenjacke von Gore.

Mehr als 100.000 Zusteller versorgen die Menschen in Deutschland täglich mit Briefen und Paketen. Sie üben ihren Beruf heute auf Basis modernster Informationstechnik aus, doch zwei Grundanforderungen ihrer Arbeit sind seit jeher die gleichen: körperliche Fitness, um die täglichen Wegstrecken meistern zu können, und die Bereitschaft zur Arbeit im Freien, auch bei Hitze und Kälte, Wind, Regen und Schnee.

Mit seinen etwa 480.000 Mitarbeitern in 220 Ländern ist die Deutsche Post DHL Group einer der größten privaten Arbeitgeber weltweit. Der seit 2000 börsennotierte Konzern für Logistik und Briefkommunikation ist mit zwei Marken auf dem Markt vertreten: Die Deutsche Post ist Europas führender Postdienstleister, während sich DHL auf den internationalen Expressversand und Frachttransport sowie auf E-Commerce und Versorgungskettenmanagement konzentriert.

Neustart nach 15 Jahren

Die erste Generation einer einheitlichen modernen Firmenbekleidung nahm die Deutsche Post bereits vor 15 Jahren in Angriff. Im Jahr 2000 wurde diese weltweit eingeführt. „Als markenorientiertes Unternehmen legen wir großen Wert auf ein durchgängiges Erscheinungsbild“, sagt Albert Krämer, Projektleiter Corporate Brand Marketing im Bereich Bekleidungsdesign im futuristischen Bonner Post Tower. „Die Unternehmensbekleidung spielt dabei eine zentrale Rolle.“ Der Konzern hat deshalb bereits bei der Einführung der ersten Bekleidungsgeneration das Allensbacher Institut mit einer Studie beauftragt, die die öffentliche Wirkung der Firmenbekleidung und deren Medienwert untersuchen sollte. Die Studie kam zu einem eindrucksvollen Ergebnis: Die Zusteller haben täglich mit 17,4 Millionen Menschen Blickkontakt und 6,7 Millionen persönliche Kundenkontakte. 96 Prozent der Bevölkerung haben direkten Kontakt mit Postmitarbeitern im Zustelldienst. Die Forscher bewerteten diese Zahlen u. a. im Hinblick auf die Medienkosten, die in der Werbung häufig als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Sie errechneten für das Unternehmen ein Medienpotenzial der Unternehmenskleidung im Wert von 103 Millionen Euro pro Jahr und 744 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.

Nach rund 15 Jahren war es nun an der Zeit für eine neue Bekleidungsgeneration, die mehr Funktionalität und Tragekomfort bieten und das moderne und attraktive Erscheinungsbild des Unternehmens zum Ausdruck bringen sollte.

Beim Corporate Design wollte die Deutsche Post wieder zurück zu ihren historischen Farben, denn die erste Bekleidungsgeneration war wegen der Postbank blau-gelb gestaltet worden. Nach der Trennung von der Bank sollte die Post nun wieder in Schwarz-Gelb erscheinen und die globale Marke DHL dementsprechend ihre Farben Rot und Gelb mit Schwarz ergänzen. Wichtig war außerdem ein weiter verbesserter Wetterschutz zur Gesundheitsprävention.

Arbeitsmediziner bestätigen, dass eine hochwertige, bekleidungsphysiologisch ausgerichtete Unternehmensbekleidung Erkältungs- und Gelenkerkrankungen reduzieren und Rheuma vorbeugen kann. Und Albert Krämer führt noch einen weiteren wichtigen Punkt an:

„Auch Firmenkleidung muss sich im Laufe der Jahre verändern. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern moderne und innovative Arbeitskleidung bereitstellen, wenn diese gerne getragen werden soll. Das ist auch ein Zeichen der Wertschätzung des Arbeitgebers gegenüber seinen Mitarbeitern.“

Unternehmenskleidung – im Team entwickelt

Ein komplexes und auch risikobehaftetes Projekt: Mögliche Schwächen treten vielleicht erst zum Vorschein, wenn die Bekleidung im größeren Stil zum Einsatz kommt – und was wenn sie den Mitarbeitern nicht gefällt? Dieses Risiko lässt sich am besten minimieren, wenn von Anfang an alle betroffenen Bereiche des Managements und auch die Mitarbeiter an der Entwicklung beteiligt werden. So entstand ein Projektkernteam bestehend aus Mitarbeitern der Bereiche Marketing, Corporate Design, Einkauf und Logistik sowie dem Führungsteam der Brief- und Postzusteller. Ergänzt wurde es durch einen Arbeitskreis mit Mitgliedern der Arbeitnehmervertretung. Albert Krämer, der die Koordination des Kernteams und die Projektleitung übernahm, erklärt:

„Diese Aufstellung war für uns sehr wichtig, weil wir so gemeinsam, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, das Thema Unternehmensbekleidung abstimmten konnten.“ 

Diese Aufgabe wurde mit Bravour gelöst. Die neue attraktive Bekleidung kommt bei den Zustellern sehr gut an und wird gerne getragen. Das Kernstück des Bekleidungskonzepts ist eine wetterfeste Gore-Tex Hardshell-Jacke mit Kapuze, die so wasserdicht ist, dass der Träger sogar mit Fahrradhelm bei Regen nicht nass wird. Sie ist so leicht und atmungsaktiv wie hochwertige Sportbekleidung und besitzt dennoch die für den Arbeitsbereich geforderte Funktionalität. 

Fünf Jackenversionen

Die Jackenlösung stellt eine Innovation im Bereich Arbeitskleidung dar: Die Hardshell-Jacke ist die äußerste Schicht einer 5-in-1-Lösung. Genau genommen besteht das Bekleidungssystem aus zwei Teilen, die fünf verschiedene Tragevarianten mit jeweils leicht unterschiedlichen Eigenschaften bieten. Das zweite Element ist eine leichte, winddichte Softshell-Jacke mit abnehmbaren Ärmeln. Je nachdem, wie diese zwei Kleidungsstücke getragen werden, hat der Träger einen Winteranorak, eine wasserabweisende und winddichte Übergangsjacke, eine Übergangsjacke, die nur winddicht ist, eine leichte Regenjacke oder eine winddichte Weste.

Entwickelt wurde das Konzept von der Münchner Designfirma Kreativcontrol. Für Geschäftsführerin Christine Jäger gilt:

„Gutes Design muss zuallererst funktionieren und gut tragbar sein. Dann muss es nähbar und wirtschaftlich herstellbar sein.“

In den ersten Meetings erarbeitete das Kernteam 2012 gemeinsam mit Kreativcontrol die Basis für das neue Design. Man diskutierte die notwendigen Leistungsmerkmale, wertete Verbesserungsvorschläge der Zusteller aus und nahm Anregungen des Arbeitskreises der Arbeitnehmervertretung auf. Vorschläge waren zum Beispiel, dass die Taschen bei beiden Jacken an der gleichen Stelle sein sollen und die Wetterschutzjacke kompakt und gut zusammenlegbar sein soll.

Um das Gewicht und das Volumen der Jacke deutlich zu reduzieren, wurde als Funktionstextil ein neuartiges Gore-Tex Drei-Lagen-Laminat mit Micro Grid Backer Technologie gewählt. Dessen abriebfeste Abseite aus Polyamid gleitet mühelos über darunter getragene Kleidungsschichten und ermöglicht dem Träger damit mehr Bewegungsfreiheit. Gleichzeitig ist das Material hoch atmungsaktiv, leicht und so robust, dass es sich auf das kleinste Format zusammenfalten lässt, ohne Schaden zu nehmen.

Maximale Funktionalität und Wirtschaftlichkeit – dieser Spagat lässt sich am besten meistern, indem man die Anzahl an Kleidungsstücken reduziert. So entstand die Idee der 5-in-1-Jacke, um die bisherige Jackenvielfalt bei gleichzeitiger Nutzensteigerung für die Träger zu ersetzen.

„Uns war klar, dass es Einsparpotenzial bei den Logistikkosten gab“,

so Dagmar Kernweisz, Leiterin Dispo Trading Solutions bei DHL und im Kernteam zuständig für die Auslieferung der Bekleidung. Es müssten damit weniger Teile transportiert werden und die Mitarbeiter wären dennoch optimal ausgestattet. Auch die zentrale Lagerlogistik in Oranienburg bei Berlin würde dadurch schlanker.

Tragetest mit 40 Fragen

Der Prototyp der neuen 5-in-1-Jacke wurde anschließend einem groß angelegten Tragetest mit 600 Probeexemplaren im neuen Design unterzogen – je eine Hälfte für die Deutsche Post und für DHL. Die ersten Jacken überreichte das Kernteam bei einer eigens dafür organisierten Veranstaltung persönlich an die sogenannten „Top 200“, also jene Zusteller, die bei der Kundenwahl zum beliebtesten Postboten unter die Top 200 gewählt wurden.

„Diese Zusteller waren für uns besonders wichtig“, so Albert Krämer.

„Wir gingen davon aus, dass sie anspruchsvolle Tester sein würden, die dann auch als Einflussnehmer und Multiplikatoren in ihre jeweiligen Arbeitsbereiche zurückgehen.“

Die Testjacken gab das Kernteam in drei Materialvarianten von konkurrierenden Firmen in Auftrag. Sie wurden per Zufallsprinzip auf die 600 Testpersonen verteilt und dann in der individuellen Größe gefertigt. Die Jacken sahen alle identisch aus, sodass die Tester nicht erkennen konnten, welches Funktionsmaterial sie testeten. Jede Jacke wurde mit einem eigenen Code versehen.

„Wir haben gleich zu Beginn jeder Testperson einen sechsseitigen Fragebogen mit 40 Fragen ausgehändigt“,

erzählt Sabine Walber von der Zentralstelle für Brief- und Paketzustellung. Nach Ablauf der sechsmonatigen Testzeit wurde der Fragebogen, ergänzt um ein zusätzliches Kommentarfeld, erneut an die Testpersonen gesandt, verbunden mit der Bitte, ihn baldmöglichst ausgefüllt zurückzusenden. 

Die zu bewertenden Leistungskriterien beinhalteten Atmungsaktivität, Tragekomfort bei verschiedenen Wetterbedingungen und Schutz vor nassem Wetter. Hinzu kamen Fragen nach der Haltbarkeit der Farben bei mehrmaligem Waschen und bei Reibung, nach der Passform und nach der Praktikabilität der Detaillösungen bei der täglichen Arbeit. 

Die Befragung brachte viele Anregungen – etwa dass Tascheneingriffe verändert oder die Jacken mit oder ohne Seitenschlitz hergestellt werden sollten, je nachdem ob die Zusteller per Auto, Fahrrad oder zu Fuß unterwegs waren. Die meisten Vorschläge betrafen jedoch den Schnitt der Jacke. Die modern auf Figur geschnittenen Testjacken empfanden viele Testpersonen im täglichen Arbeitseinsatz als etwas beengend. Ein weiteres Ergebnis betraf das Material: Die Jacken mit dem Drei-Lagen-Laminat von Gore wurden auf Platz eins gewählt. Sie boten nach dem Urteil der Tester die beste Leistung im Hinblick auf Nässeschutz, Tragekomfort und Haltbarkeit.

Auslieferung ab 2015

„Wir haben den Schnitt der Jacke entsprechend den Ergebnissen aus dem Tragetest angepasst und auch die technischen Leistungsspezifikationen als Basis für die Ausschreibung der Bekleidung aktualisiert“,

erklärt Nicole Herking, Teamleiterin Einkauf Unternehmensbekleidung. Seit März 2015 wird die neue Bekleidung in Osteuropa in verschiedenen Größen für Mitarbeiter von 16 bis 60 Jahren hergestellt. Die Auslieferung der Bekleidung erfolgte sukzessive. Auf Basis von Bestellkarten, die die Zusteller ausfüllen und einsenden, wurden die Mitarbeiter der einzelnen Standorte nach und nach ausgestattet. Bis September 2015 waren rund 65.000 Bekleidungspakete ausgeliefert worden.

Um die Mitarbeiter mit den Vorteilen und Raffinessen der neuen Bekleidung vertraut zu machen, wurde eine unternehmensweite Kommunikationsstrategie erarbeitet. Es entstand ein Flyer, der die 5-in-1-Jacke vorstellte, Artikel zum Thema wurden in der Firmenzeitschrift veröffentlicht und über eine interne Webseite wurde den Zustellern ein Katalog der Kollektion bereitgestellt. Zudem richtete das Unternehmen eine Telefon-Hotline ein, an die sich Mitarbeitern bei Fragen wenden können.

Für das vierte Quartal 2016 ist die Auslieferung der neuen Bekleidung in anderen europäischen Ländern geplant. Nach und nach werden weitere Standorte folgen. Einig ist man sich im gesamten Team bei der Frage, warum der Weg zum Erfolg bei diesem Projekt so geradlinig verlief: Alle Beteiligten kamen ganz früh im Prozess zusammen und legten in regelmäßigen Abstimmungen eine Aktionskette fest, die schlussendlich dazu führte, dass die neue Unternehmenskleidung so zielgerichtet entstehen konnte.

„Zweieinhalb Jahre sind nicht lang für ein Projekt dieser Größenordnung, aber es ist möglich, wenn das Projektteam gut zusammenarbeitet“, so Albert Krämer.

Autor: Dipl.-Ing. Franz Frisch

Bildunterschriften:

v. l. n. r.: Annika Lara Bartholomäus, Category Manager Corporate, Dagmar Kernweisz, Leiterin Dispo Trading Solutions und Sabine Walber, Zentralstelle für Brief- und Paketzustellung

Die wasserdichte Bekleidungskonstruktion mit funktionellen Taschen und wasserdichten Reißverschlüssen schützt vor Nässe und Regen.